Süßer die Lieder nie swingen

"Didn't you Say" von Simone Kopmajer

Markus Guldenschuh
FALTER 15/2010

Anzeige


In Thailand und Japan ist sie ein Star. Jetzt will Simone Kopmajer auch in Österreich Erfolg haben

Die Thailänder stehen auf sie und die Japaner sowieso. Simone Kopmajer und ihre Musik sind wie gemacht für den dortigen Markt. Ihr Aussehen trägt dazu sicher nicht unwesentlich bei. "In Japan ist der helle europäische Typ sehr angesagt. Da werden meine Fotos sogar noch retuschiert und aufgehellt. Während in Österreich alle braungebrannt sein wollen", sagt Simone Kopmajer. Ihre Musik tut das Übrige: herzschmerzende Balladen, gefühlvolle Bossas und langsamer Swing. Ihre Jazz-Standard-Interpretationen haben Qualität, wenn sie nach New York ins Aufnahmestudio fliegt, sammelt sie nur Profis um sich. Aber sie ecken niemals an. Genau so mag es der anspruchsvolle japanische Fan: Liebliches auf höchstem Niveau. Auch Thailand ist für Kopmajer ein Hoffnungsmarkt: "Die kennen dort vor allem Popmusik und beginnen erst langsam damit, Jazz zu hören."

Dass Simone Kopmajer mit ihrer Musik
so erfolgreich ist, kommt nicht von ungefähr. Als Kind einer Ausseer Musikerfamilie war sie schon mit zwölf Jahren in der Unterhaltungskapelle ihres Vaters aktiv. In der Schüler-Big-Band hatte sie als Pianistin ihren "ersten Kontakt mit der Jazzmusik", mit 14 nahm sie mit dem Prinzen-Hit "Alles nur geklaut" am ersten Kiddy Contest teil und trat fünf Jahre später bereits ein Auslandsstipendium in den USA an. Seitdem hat sie ihre Kontakte ins Mutterland des Jazz stets intensiviert und dort schließlich auch den Produzenten kennengelernt, der ihr später den Weg nach Japan ermöglichen sollte.
Jazzgesang zu studieren begann sie in Graz mit 16 Jahren. Bei außergewöhnlichem Talent ist das auf einer Kunsthochschule auch ohne Matura möglich. Heute, mit 28, hat sie nicht nur die Matura und ihren Master in Jazzgesang, sondern auch eine abgeschlossen Ausbildung als Gesangspädagogin. Und dazu Tausende verkaufte Alben in Japan. Wie viele genau, kann sie nicht sagen. Das ist ihr nicht so wichtig, aber die Nachfrage scheint ungebremst – Ende April geht es schon wieder nach New York, um eine neue Platte einzuspielen.
Simone Kopmajer hat das Showbusiness noch nach der alten Schule erlernt: auf der Bühne stehen und persönlich Kontakt zu Fans oder Produzenten aufnehmen. Sie ist eine Vollblut-Musikerin, die lieber an neuen Stücken arbeitet, als sich um den Verkauf ihrer CDs zu kümmern. Von ihrer Musik kann sie leben, das reicht. Vielleicht ist das mit ein Grund, warum es in Österreich noch so schwer ist, an ihre Musik zu kommen. Zwar hat sie sich als Live-Musikerin mit ihren hervorragenden Vokalimprovisationen schon einen Namen gemacht, doch bislang fehlte es an einem Vertrieb, um ihre Musik auch in die Wohnzimmer zu bringen. Den Versuch, ein eigenes Label zu gründen, gab sie wieder auf: "Das war mir einfach zu mühsam, weil niemand einer Frau zutraut, dass sie das alleine schafft."
Das Projekt Österreich will sie dennoch nicht aufgeben. "Hier lebe ich, hier möchte ich auch mit meiner Musik erfolgreich sein." Die Steiermark bleibt dabei ihre einzige Lebensoption: "Nicht einmal nach Wien zu ziehen, könnte ich mir vorstellen. Dafür sind mir meine Familie, mein Garten und meine Hunde zu wichtig." Deshalb hat sie sich jetzt eine neue Agentur gesucht: "Die sollen sich um das Marketing kümmern, dafür kann ich mich auf die Musik konzentrieren." Ganz getan ist es für Simone Kopmajer damit aber nicht. Denn die neuen Agenten haben ihr eine Vernetzungskur verordnet: "Die haben mich gleich getadelt, dass ich noch bei keinem sozialen Netzwerk bin." Seit kurzem hat sie jetzt also eine Myspace-Seite und einen Facebook-Account.

Dafür wird demnächst erstmals eine Kopmajer-CD auch im deutschsprachigen Raum erscheinen. Das Album nennt sich "Didn't you Say" und wird im Mai auf Edel Records veröffentlicht. Es ist auch das erste Album, das sie selbst produziert hat, also ohne Einflussnahme ihres japanischen Produzenten. Darauf finden sich auch drei Eigenkompositionen, am lieblich-entspannten Flair hat sich dennoch nicht viel geändert. Gut funktioniert das in den jazzigeren, beswingten Stücken wie dem Titellied, das schon Urlaubsstimmung aufkommen lässt, wenn sie fragt: "Didn't you say you'd take me down to Mexico?" Weniger freilich bei gefühlsschweren Balladen wie "Forgetting to breath", das zwar enorme Ohrwurmqualitäten aufweist, dafür aber deutlich zu tief in den Schmalztiegel greift.


Anzeige

Diese Rezensionen könnten Sie auch interessieren

  • Our Inventions

    Soll man den blöden Begriff Entschleunigung hervorholen? Lieber nicht. Lali Puna waren, wie ihre Schwesterband The No­twist, immer schon in dem...
    Rezensiert von Sebastian Fasthuber in FALTER 15/2010
  • Klavierwerke Um Den Russ.Futur

    An seinem Anfang, da war das 20. Jahrhundert noch voller Möglichkeiten, eiferten Komponisten um die kühnsten Zukunftsvisionen. In Wien zum Beispiel...
    Rezensiert von Carsten Fastner in FALTER 15/2010
  • Klavierwerk Gesamt

    An seinem Anfang, da war das 20. Jahrhundert noch voller Möglichkeiten, eiferten Komponisten um die kühnsten Zukunftsvisionen. In Wien zum Beispiel...
    Rezensiert von Carsten Fastner in FALTER 15/2010
  • As It Is

    In ähnlichen Gewässern ist auch das pfiffig mg3 benannte Trio des Oberösterreichers Martin Gasselsberger unterwegs. Allerdings sieht sich der...
    Rezensiert von Klaus Nüchtern in FALTER 15/2010
  • Vergessene Moderne

    An seinem Anfang, da war das 20. Jahrhundert noch voller Möglichkeiten, eiferten Komponisten um die kühnsten Zukunftsvisionen. In Wien zum Beispiel...
    Rezensiert von Carsten Fastner in FALTER 15/2010
Alle CD-Rezensionen | Alle Rezensionen aus FALTER 15/2010

Anzeige

Anzeige