Gefühlsrock, Görenpop und Dum Dum Girls

"From Ice to Water to Nothing" von Marilies Jagsch

Gerhard Stöger
FALTER 20/2010

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Von wegen schwieriges zweites Album: Marilies Jagsch hat mit "From Ice to Water to Nothing" (Asinella) jene Stimme gefunden, die sie auf ihrem guten, aber doch etwas unsicher wirkenden Debüt vor zwei Jahren noch gesucht hat. In neun, teils ausladenden Liedern steckt die in Wien lebende Oberösterreicherin das Terrain zwischen aufgerautem Folk, epischem Midtemporock sowie streicher- und bläserunterstütztem Postrock klarer ab, wodurch ein geschlossener und auch selbstsicherer Gesamteindruck entsteht. Die Färbung ist dunkelgrau, die Grundstimmung anders als glücklich. Und doch prägt diese Lieder eine große Schönheit, die aber kein bisschen gefallsüchtig wirkt, sondern spröde und ein wenig rätselhaft.
Bei Kate Nash ist das anders. Sie will unbedingt gefallen, mit dem neuen Album "My Best Friend Is You" (Polydor) mindestens so sehr wie mit ihrem Erfolgsdebüt. Permanent fragt sie, das über Nacht zum Popstar aufgestiegene charmante Gör von nebenan, "Bin ich nicht entzückend?", selbst wenn sie einmal die Stimme hebt oder gar garstige Dinge sagt. Und was soll man da groß erwidern als ja, natürlich, und wie entzückend du bist, du und dein frech-fröhlicher Gitarrenpop, der weiterhin fürs kleine Glück in der ­
großen Formatradioödnis sorgt.
Von Ellie Goulding lässt sich das eher nicht behaupten. Die mit Vorschusslorbeeren überhäufte junge britische Elektrofolkpopsängerin zeigt mit dem nährstoffarmen Allerweltstralala auf "Lights" (Polydor), dass manchmal schon das Debüt eine verdammt schwierige Angelegenheit sein kann. Selbst Little Boots, die davon ja auch ein Lied singen kann, wirkt da vergleichsweise richtig aufregend.
Wunderbar ist dagegen das Debüt der Dum Dum Girls aus Los Angeles.
"I Will Be" (Sub Pop) klingt, als würde die Sixtiesgirlgroup unseres Vertrauens Schrammelpunk spielen, ohne die Lust an der zuckersüßen Melodie zu verlieren. Ein Song gleicht beinahe wie ein Ei dem anderen, nach 29 Minuten ist das elfteilige Gesamtprogramm abgehandelt. Super!


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