Ja, das gibt's: Überraschungen bei Schubert

"Arpeggione & Lieder" von Tamestit/Piau/Hadulla, Schubert Franz

Carsten Fastner
FALTER 21/2010

Arpeggione & Lieder
Tamestit/Piau/Hadulla, Schubert Franz
Naive 2010
€ 21,30

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Im Klavier bebt und brodelt verhalten eine Kraft, aus der sich, erst noch matt, doch bald in bronzenem Glanz erstrahlend, ein wehmütig gezogener Geigenton erhebt – um gleich darauf zu changieren und in klingende Silbertropfen zu zerperlen.
Es hat etwas von einer Beschwörung, wie Julia Fischer und Martin Helmchen Franz Schuberts Fantasie für Violine und Klavier gleichsam aus dem Nichts hervorzaubern, so wie Schubert selbst darin kurz vor seinem Tod die Erinnerung beschworen haben mag: "Ein Hauch der Liebe tilget Raum und Zeiten", zitiert er sein eigenes Rückert-Lied "Sei mir gegrüßt".
Auf zwei CDs haben Fischer und Helmchen "Franz Schuberts Gesamtwerk für Violine und Klavier" aufgenommen (Pentatone/Gramola): die drei Sonatinen und das Rondo, die "Duo"-Sonate und eben die Fantasie. Und je mehr man dem fasziniert lauscht, umso weniger versteht man, weshalb diese Werke so selten zu hören sind. Wohl weil es zwei so solistisch souveräne, dabei feinhörig aufeinander achtende Kammermusiker wie die beiden jungen Deutschen braucht, um zu zeigen, was in diesen oft als Petitessen verkannten Stücken steckt. In hochkonzentrierter Aufmerksamkeit formt das Duo jeden einzelnen Ton, erfüllt in unsentimentaler Intimität jede Phrase mit Sinn und Lebendigkeit – und liefert zu guter Letzt auch noch eine veritable Überraschung, wenn Fischer für die vierhändige
f-moll-Fantasie ans Klavier wechselt.
Auch der französische Bratschist Antoine Tamestit beendet sein Schubert-Album (Naïve/Lotus) mit einem Clou. Unerhört detailreich, agil und in feiner Klanggestaltung spielt er, von Markus Hadulla am Klavier begleitet, zunächst eine Transkription der "Arpeggionen-Sonate", demonstriert dann in sechs Liedbearbeitungen (u.a. "Liebesbotschaft", "An den Mond", "Wehmut") die sanglichen Möglichkeiten seines Instruments, was schließlich zu einem reizvollen Kontrast führt, wenn beim "Hirt auf dem Felsen" plötzlich Sandrine Piau mit klarem Sopran einsetzt – und Tamestit den Klarinettenpart übernimmt.


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