"Everytime I'm with you I'm fucked up and you are too"

"Dark Night Of The Soul" von Danger Mouse & Sparklehorse

Gerhard Stöger
FALTER 30/2010

Dark Night Of The Soul
Danger Mouse & Sparklehorse
Parlophone Label Group (PLG) 2010
€ 12,60

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Schöne Platte, seltsame Geschichte: "Dark Night of the Soul" von Danger Mouse und Sparklehorse

Dass musikindustrielle Strategien nicht immer ganz logisch erscheinen, ist nichts Neues. Die Geschichte hinter "Dark Night of the Soul" aber, dem großen verlorenen Popalbum des Jahres 2009, übertrifft die alltäglichen Sonderbarkeiten rund um Veröffentlichungsterminrochaden und zurückgehaltenen Aufnahmen doch deutlich.
Eigentlich wirkt "Dark Night of the Soul" ja wie der wahr gewordene Traum jedes Plattenfirmenmanagers. Brian Burton alias Danger Mouse, der gefragteste Pop­produzent unserer Tage, hat diese 13 Songs in langwieriger Arbeit gemeinsam mit der Indie-Songwritergröße Mark Linkous alias Sparklehorse erarbeitet.
Als singende Gäste luden sie allerlei Freunde und persönliche Helden ins Studio, vom Strokes-Frontmann Julian Casa­blancas über den Flaming-Lips-Wunderling Wayne Coyne, den Pixies-Giftzwerg Frank Black und den Singer/Songwriter-Tragöden Vic Chesnutt bis hin zu Suzanne Vega und Iggy Pop.

Doch damit nicht genug. Es gesellte sich auch noch David Lynch dazu. Ja genau, der David Lynch. Er schnappte sich ausnahmsweise nicht die Filmkamera, sondern den Fotoapparat und kümmerte sich um die visuelle Entsprechung zur Musik; ein bisschen mitgesungen und mitgespielt hat er letztlich auch noch. Alles in allem also ein Projekt, das ein Übermaß an Credibility mit großer Breitenwirksamkeit eint, so scheint es.
Im Frühjahr 2009 war "Dark Night of the Soul" fertiggestellt, an ausgewählte Journalisten wurden eigens auf Vinyl gepresste Promotionexemplare verschickt. Erschienen ist die Platte dann aber nicht.
Stattdessen brachten die Künstler auf eigene Faust einen "Dark Night of the Soul"-Bildband heraus, dem ein CD-Rohling beilag, versehen mit einem lapidaren Kommentar: "Aus rechtlichen Gründen enthält diese CD-R keine Musik. Verwenden Sie sie, wie Sie möchten."
Wer diesem Aufruf zum illegalen Download – im Netz kursierte die Musik natürlich – nicht folgen mochte, bekommt jetzt die ganz legale Chance, "Dark Night of the Soul" zu hören. Mit mehr als einjähriger Verspätung hat die in diesem Fall zuständige Plattenfirma EMI das Album doch noch veröffentlicht.

Es wäre aber mehr als zynisch, von einem
Happy End zu sprechen: Inzwischen haben sich sowohl Gastsänger Vic Chesnutt als auch "Dark Night of the Soul"-Hälfte Mark Linkous das Leben genommen.
Was genau die vielzitierten "rechtlichten Gründe" für die langwierige Verzögerung waren, ist bis heute unklar; anstatt ihre dubiose Rolle zu erklären, bemüht sich EMI dieser Tage darum, "Dark Night of the Soul" als künstlerisches Vermächtnis von Mark Linkous zu vermarkten. So ekelig der Beigeschmack dadurch auch sein mag, diese Platte nicht zu hören wäre ein echtes Versäumnis.
Abgesehen von zwei im Kontext der restlichen Songs beinahe ungut auffallenden Allerwelts-Rocknummern ist "Dark Night of the Soul" ein prächtiges Album, das Modernität und Zeitlosigkeit geschickt zu einen versteht und den Hörer trotz der schon im Titel festgeschriebenen Verzweiflung immer wieder sanft in den Arm nimmt. Klassische Glücksversprechen sind den Texten freilich denkbar fremd: "­Everytime I'm with you I'm fucked up and you are too", heißt es an zentraler Stelle, gefolgt von der rhetorischen Frage "Well, what the hell else are we supposed to do?"


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