Neue Musik aus der Musikmaschine

"Monadologie VII … for Arnold" von Bernhard Lang

Carsten Fastner
FALTER 38/2010

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Er ist ein Serienfabrikant, dank hochrationalisierter Produktions­prozesse wirft Bernhard Lang einen enormen musikalischen Output auf den Markt, ordentlich organisiert in durchnummerierten Werkreihen, dazu Opern, Ensemblestücke, Kammermusik, Solowerke.
Dahinter steckt natürlich der Computer, nicht nur als technisches Hilfsmittel, sondern als kreatives Prinzip. Lang schickt komponierte Zellen in die Maschine, die diese nach eigens formulierten Spielregeln mutiert und in Partiturform wieder ausspuckt.
Eines der jüngsten Ergebnisse ist das Ensemblestück "Monadologie VII … for Arnold", basierend auf Motiven aus Arnold Schönbergs Kammersinfonie, op. 38, die Lang in seiner Musikmaschine planvoll wuchern ließ und die hier vom Klangforum Wien präzise als Kette kontrastreicher Variationen realisiert wird (Kairos).
Vorgänger der "Monadologie"-Serie ist "Differenz/Wiederholung", Langs von Gilles Deleuze inspirierte Forschungsreihe zum Looping-Verfahren. Deren drittes Stück entstand für die so ungewöhnliche wie reizvoll filigrane Besetzung Flöte, Cello, Akkordeon – in enger Zusammenarbeit mit dem Trio Amos (Sylvie Lacroix, ­Michael Moser, Krassimir Sterev). Auf "Schrift/Differenz" (Durian) haben sie "DW 3" gemeinsam mit drei Solostücken eingespielt, die ihrerseits einer weiteren Serie entstammen ("Schriftstücke").
Auch Wolfgang Mitterer ist ein Mann der Musikmaschine, als klassischer Organist mit Hang zu Bach ebenso wie als Elektroniker, der dem Computer lustvoll nachgerade haptische Klänge entwindet. Als Bindeglied zwischen analoger Apparatur und digitalem Code lässt sich sein neues Album hören, "Stop Playing … durch die Pfeifen strömen" (col legno). Auf drei verschiedenen Kirchenorgeln (in Lienz, Köflach und im Wiener Stephansdom) hat Mitterer improvisiert, mit den Registerzügen und dem Hauptschalter des Motors gespielt und die Aufnahmen anschließend im Studio elektronisch überarbeitet, kombiniert, überlagert, durch virtuelle Klangräume ergänzt.


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