Lauter leiwande Altspatzen

"You Are Not Alone" von Mavis Staples

Gerhard Stöger
FALTER 39/2010

You Are Not Alone
Mavis Staples
Anti 2011
€ 10,90

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Wer die Worried Men Skiffle Group (Feuilleton, S. 26) für die älteste Band dieser Falter-Ausgabe hält, hat die Rechnung ohne The Jolly Boys gemacht. Die rüstigen Herren aus Jamaika sind seit den 1950ern aktiv in Sachen Mento, einem historischen Vorläufer von Ska und Reggae. Erweitert um den 71-jährigen Jungspund Albert Minott, einen äußerst sympathischen faulen Willy am Mikrofon, eignen sich die Jolly Boys auf "Great
Expectation" (Wall of Sound) zwölf moderne Schlager an (von Iggy Pop, Lou Reed, Amy Winehouse, Doors, Stones u.a.) und schaffen so eine generationsübergreifende Gute-Laune-Platte.
Jerry Lee Lewis feiert dieser Tage seinen 75. Geburtstag und beschenkt sich und die Welt mit einer ebenso entspannten wie guten Altherrenplatte. Auf "Mean Old Man" (Verve) covert der einstige Killer ausgewähltes Rock- und Countryliedgut, unterstützt von Kumpanen aus dem Wilde-Hunde-Seniorenclub wie Mick Jagger, Kris Kristofferson, Keith Richards, Ringo Starr oder Solomon Burke. "My God, I still can!", stellt Lewis am Ende des Songs "Middle Age Crazy" lachend fest, und genau so ist es: Der große Schmalztopf bleibt selbst in den schunkeligsten Momenten geschlossen, die Reise in die Vergangenheit erfolgt ganz ohne schalen Beigeschmack – und vermag stellenweise richtiggehend zu rühren.
Auch Mavis Staples ist Teil der All- respektive Altstarriege um Jerry Lee Lewis. Ihr eigenes neues Album "You Are Not Alone" (Anti-) wurde von Jeff Tweedy, dem Kopf von Everybody's Americana-Darlings Wilco, ökonomisch produziert; die Sängerin tänzelt beschwingt durch Gospelliedgut, verabreicht Songs von Randy New­man, John Fogerty und Jeff Tweedy selbst eine Extraportion Soul und verwandelt auch mal geistliche Traditionals in berührenden Pop. Sehr schön!
Weiterhin gut drauf ist auch der in dieser Runde blutjung wirkende Ex-Led-Zeppelin-Sänger Robert Plant, der seiner tollen Duoplatte mit Alison Krauss jetzt "Band of Joy" (Decca) nachschickt, einen immer noch äußerst passablen Alleingang zwischen Country und angegrautem Rock.


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