Weihnachtsmusik von geschmeidig bis muckerhaft

"This Christmas Day" von Jessie J

Sebastian Fasthuber
FALTER 49/2018

This Christmas Day
Jessie J
UNIVERSAL - 2018
19,90

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Zuletzt waren die Weihnachtsalben von ausgesuchter Schrecklichkeit, 2018 hingegen erweist sich als akzeptabler Jahrgang. Vor allem dank John Legend. Die glänzend gestartete Karriere des US-Sängers ist nicht mehr ganz, was sie einmal war, er schlägt sich vor allem mit hochkarätigen Gastauftritten durch. Für „A Legendary Christmas“
(Sony) hat sich der Mann mit der wandelbaren Stimme Mühe gegeben und geschmeidigen Soul produziert, der sich an das Weihnachtsalbum des jungen Stevie Wonder anlehnt. Wenn es drauf ankommt, ist Legend auch ein äußerst passabler Nat King Cole. Und das betörende „Purple Snowflakes“ – im Original von Marvin Gaye – kriegt er ebenfalls hin.

Ums Gelingen ist es bei den Musikabenteuern des pensionierten Captain Kirk und geborenen Anti-Sängers William Shatner nie gegangen. Der 87-Jährige demonstriert auf „Shatner Claus“ (Cleopatra) erneut, wie würdeloses Altern funktioniert. Mit Gästen wie Iggy Pop, Henry Rollins oder Billy Gibbons von ZZ Top macht er einen drauf. Shatner nimmt das Repertoire an Weihnachtsliedern hörbar nicht ernst und hat dafür umso mehr Spaß. Am Stück genossen ist das zu viel, gegen einzelne Songs in der Weihnachts-Playlist spricht aber nichts.

Überdosierung ist auch das Problem von Power-Stimme Jessie J. Die flott swingende erste Albumhälfte von „This Christmas Day“ (Republic) geht ja noch. Bei den ruhigeren Stücken wird die britische Sängerin jedoch nervös und übertreibt es mit dem Zurschaustellen ihres Organs.

Und dann ist da noch Eric Clapton, der die Sache erwartungsgemäß muckerhaft angeht. Auf „Happy Xmas“ (Polydor) beweist er, dass man auch „White Christmas“ für Bluesgitarre arrangieren kann. Wenn man das will. Verrückt: Nach Abdrehen der Musik beschleicht einen das Gefühl, Clapton spielt trotzdem weiter – irgendwo in einer fernen Galaxie. Er muss einfach geigen. Es geht uns aber nichts an.


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