Die Violine geht auf (Wieder-)Entdeckungsreise

"Duos für Violine und Viola" von Isabelle Faust, Thomas Riebl, Alessandro Rolla

Miriam Damev
FALTER 37/2016

Duos für Violine und Viola
Isabelle Faust, Thomas Riebl, Alessandro Rolla
Pan Classics. - 2005
0,00

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Als unermüdlicher Spurensucher hat der Wiener Barockgeiger Gunar
Letzbor in den vergangenen Jahren jede Menge lohnende (Wieder-)Entdeckungen zurück aufs musikalische Parkett gebracht. Einen Schwerpunkt bildete zuletzt Musik aus dem „Manuscript XIV“, die den Archiven des Minoritenklosters in Wien Alsergrund entstammen. Auf seinem dritten diesen Handschriften gewidmeten Album „Accordato – ex Vienna“ (panclassics) hat Letzbor fast ausschließlich Fundstücke weitgehend unbekannter Barockkomponisten im Gepäck. Die zwölf Kompositionen von Viviani, Teubner, Bertali oder Mayr bieten ein vielfältiges Spektrum an virtuosen, kunstfertigen Sonaten, die Letzbor und seine Ars Antiqua Austria mit viel Enthusiasmus und technischer Brillanz zum Klingen bringen.
Ganz ohne Begleitung kommen die zwölf „Fantasien für Violine Solo“ (Glossa) von Georg Philipp Telemann aus. Anders als sein Kollege Johann Sebastian Bach schrieb Telemann die Stücke nicht für den Konzertgebrauch, sondern für einen damals boomenden Markt der Amateure, Liebhaber und Schüler. Natürlich kann die Sammlung viel mehr – nicht umsonst zählte ihr Schöpfer zu den überragenden Komponisten seiner Zeit. Die „Fantasien“
sprudeln nur so vor musikalischen Einfällen. Manche sind galant, andere draufgängerisch, manche klingen feierlich, andere kommen beschwingt daher. Wie schön, dass Fabio Biondi diese delikaten Kleinodien nun für sich entdeckt hat.
Vor einigen Jahren stießen Isabelle Faust und Thomas Riebl bei ihrer Suche nach Duo-Literatur für Violine und Bratsche auf den italienischen Komponisten Alessandro Rolla. Die Freude währte nur kurz, war das Album doch schnell vergriffen. Jetzt ist „Duets for Violin & Viola“ (Glossa) mit der herrlichen Musik und ihren ausgezeichneten Interpreten – unglaublich, dass hier nur ein Duo zu hören ist – wieder zu haben. Unbedingt zugreifen!


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