Noch einmal mit Gefühl

"LATE REGISTRATION" von kanye West

Sebastian Fasthuber
FALTER 36/2005

LATE REGISTRATION
kanye West
DEF JAM - 2005
10,90

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Kanye West zeigt mit neuem Album, wie schön sich HipHop, Pop und Soul ergänzen können. De La Soul tun desgleichen demnächst live in Wien.

Ein Revolutionär sei er nicht, ließ Kanye West kürzlich in einem Interview zu seinem neuen Album "Late Registration" verlauten. Sonst hätte er das im US-HipHop per ungeschriebenem Gesetz vorgeschriebene Wort "Nigga" auf seiner Platte weggelassen. Er könne es nicht ausstehen. Der Hörer aber sei so daran gewöhnt, dass West sich gezwungen sah, es am Ende doch in seine Texte einzufügen.

Man sieht: Auch dem viel gerühmten HipHop-Erneuerer der letzten Jahre sind Grenzen gesetzt. West, der als gefragter Produzent von Jay-Z oder Alicia Keys bekannt wurde und seit seinem starken Album "The College Dropout" (2004) auch als Rapper reüssiert, verfolgt mit seiner Arbeit eine Politik der kleinen Schritte: Barrieren niederreißen, ja, aber immer mit einer einschmeichelnden Melodie im Talon. Am Ziel seiner Mission soll HipHop wieder eine so facettenreiche Unterhaltungskunst sein, wie er es in den Achtzigerjahren einmal war.

Der im Rap-Nebenschauplatz Chicago groß gewordene West möchte nach gut zehn Jahren Gangsta-Rap im Zeichen von Tupac und 50 Cent den HipHop wieder aus dem engen musikalischen Ghetto holen, in das ihn stumpfe Texte über Gewalt, Drogengeld und Frauen als Huren geführt haben. Er sollte mehr bieten, findet das mit Run-DMC aufgewachsene Kind aus der allgemein eher HipHop-kritischen schwarzen Mittelschicht. Die Inhalte müssten wieder intelligenter werden, die Musik gefühlvoller und beseelter.

Damit es mit der Seele auch klappt, hat sich der 28-Jährige eine ebenso simple wie geniale Arbeitsweise angeeignet: Er entnimmt Samples aus bekannten Soulstücken, verändert deren Geschwindigkeit, bis sie beinahe wie Mickymaus klingen, und lässt gut abgehangene Beats darüberrumpeln. Auch wenn es nicht unbedingt originell ist, Quellen wie Curtis Mayfields "Move On Up" oder Shirley Basseys "Diamonds Are Forever" zu verwenden, bringt die perfekte Umsetzung auch hartgesottene HipHop-Buben zum Tanzen.

Dass sich hinter dem Reformator West dabei kein reiner Populist versteckt, zeigt die Geschichte um das auf Basseys James-Bond-Song basierende Stück "Diamonds from Sierra Leone". Ursprünglich einfach "Diamonds Are Forever" betitelt und eine Lobeshymne auf die in der HipHop-Szene beliebten Klunker, musste sich West von seinem Kollegen Q-Tip sagen lassen, dass an den aus Afrika kommenden Diamanten meist Blut klebt. Immer schon ein schneller Lerner, schrieb West den Text flugs in ein halb kritisches Statement um. Speist sich sein HipHop-Verständnis doch aus einer Ära, in der Rapper grundsätzlich noch etwas zu sagen hatten.


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