Empfohlen Filmkritik

Der Tod von Ludwig dem XIV.

La Mort de Louis XIV

© Filmgarten


Am 1. September 1715 starb Louis XIV., Frankreichs "Sonnenkönig", nach langem Todeskampf an Wundbrand. Der katalanische Regisseur Albert Serra setzt sich im Film mit diesen letzten paar Wochen auseinander, gestaltet als Abfolge realer respektive möglicher Ereignisse, humor- und fantasievoller, emotionaler und eindringlicher Anekdoten, die Macht und Tod thematisieren.

Regie:
Regie:
Albert Serra
Darsteller:
Darsteller:
Jean-Pierre Léaud, Patrick D'Assumcao, Marc Susini, Irène Silvagni, Bernard Belin
Land:
Land:
F/PT/E
Jahr:
Jahr:
2016
Dauer:
Dauer:
115 min
Kinostart:
Kinostart:
30. Juni 2017
Sonstiges:
Sonstiges:
Von der FALTER-Kinoredaktion empfohlen

Das Erlöschen des Sonnenkönigs

SABINA ZEITHAMMER | 28.06.2017

Es war ein langer Todeskampf, den Ludwig XIV. auszufechten hatte. Am 1. September 1715 starb er 76-jährig an Wundbrand. Mit "Der Tod von Ludwig XIV." widmet sich der spanische Regisseur und Künstler Albert Serra jenen überlieferten Ereignissen.

So begrenzt sein Handlungsraum ist - Ludwig kann seine Gemächer nicht mehr verlassen -, so vieles erzählt das Kammerspiel. Zunächst herrscht reges Kommen und Gehen am Krankenbett: Diener und Ärzte, Bauherren und Geistliche, Ludwigs Gemahlin und junge Damen hoffen und bangen in einem Reigen der hilflosen höfischen Sitten und Machtkämpfe. Der angeschlagene Herrscher schwankt zwischen Würde und Jähzorn: Von Fieber gequält, kräht er nach Wasser, will dieses aber ausschließlich aus einem Kristallglas trinken.

Seine Schmerzensschreie erschüttern, doch zunehmend greift Stille Raum. Dass der von getragener Eleganz und langen Close-ups geprägte, häufig in Echtzeit erzählte Film dabei nicht ermüdet, sondern geradezu hypnotische Kraft hat, liegt einerseits an kleinen Geheimnissen. Serra geht gern in medias res, das Publikum muss sich orientieren. Andererseits fasziniert die Präsenz, die Jean-Pierre Léaud in der Hauptrolle aufbaut -selbst wenn nur sein unbewegtes Gesicht zu sehen ist, in dem seine Augen wie Kohlen glänzen. Eine radikal lange Einstellung, begleitet von einem "Kyrie" Mozarts, transzendiert das Mitleid mit dem Sterbenden: Hier geht es um nichts weniger als den existenziellen Skandal, als unversehrter Geist in einer verfallenden Hülle untergehen zu müssen. Einzig aus der Geschichte herauszufinden scheint Serra nicht ganz leicht gefallen zu sein. Im Filmkörper wirkt sein Schlusspunkt fremd, wenn auch eindrucksvoll: ein Blick in die Kamera, der die Jahrhunderte bis in die Zukunft durchsteigt.

Ab Fr im Metro Kinokulturhaus (Premiere in Anwesenheit von Albert Serra)

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