Empfohlen Filmkritik

Dunkirk

© Warner Bros


Christopher Nolan, britischer Starregisseur und Galionsfigur des analogen Kinos, nimmt sich erstmals historischer Ereignisse an. 1940, in der Nähe der nordfranzösischen Stadt Dünkirchen: Hunderttausende alliierte Soldaten sind von den deutschen Truppen eingekesselt - eine verzweifelte Evakuierungsaktion beginnt. (Special Screenings im Gartenbau: 70mm!)

Regie:
Regie:
Christopher Nolan
Darsteller:
Darsteller:
Fionn Whitehead, Kenneth Branagh, Mark Rylance, Cillian Murphy, Tom Hardy
Land:
Land:
F/GB/USA
Jahr:
Jahr:
2017
Dauer:
Dauer:
106 min
Kinostart:
Kinostart:
28. Juli 2017
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
ab 12
Sonstiges:
Sonstiges:
Von der FALTER-Kinoredaktion empfohlen

Nolans ,,Dunkirk": Schwere Stunden am Strand

DREHLI ROBNIK | 26.07.2017

Woher sein Kamerad wisse, dass die Flut wiederkehrt, fragt einer der Soldaten, die 1940 in Dünkirchen unter nazideutschem Feuer auf Einschiffung hoffen. Darauf der andere: Weil die Toten zurückkommen. Auslaufen, absaufen: Die See spült Leichen aus versenkten Schiffen an den Strand, an dem besiegte Briten in Reih und Glied warten.

Christopher Nolans "Dunkirk" ist ein Film der Gezeiten. Er betont das Kommen und Gehen des Wassers, das Ineinander von Zeit und Schwerkraft, die Bindung ans Gewicht der Erfahrung: als Wucht von Explosionen, als Fokus auf Detailabläufe (eine Bahre tragen; klemmende Flugzeugteile lösen), ostentatives "Alles echt","Alles vor Ort","Alles auf Film". Nicht die Geworfenheit ins Trümmerchaos regiert, wie in älteren Dünkirchen-Filmen (und auf Spielbergs Strand), sondern die Relativität der Zeit zu Bindungen -ans Leben, an die Erde, aneinander. Parallele Zeitlichkeiten greifen rekursiv ineinander: eine Woche am Strand, eine Stunde im Jagdflugzeug, ein Tag auf einem der vielen Privatboote, die 1940 das Evakuationswunder ermöglichten. Ein historischer "Augenblick" voller Einzel-Männer und -Boys (ohne Frauen). Hans Zimmers Musik pusht tickend.

Nolans prätentiöses, gravitätischgeiles Kino messbarer Dauer relativ zur Schwerkraft will eine Philosophie der Humanität und ihrer Zeit sein. Also fragt sich: Was ist der Sinn von "Dunkirk"? Stolze Sager, etwa von Kenneth Branagh, ragen aus dem wortkargen Kriegsfilm. Ist das ein Brexit-Nationalepos, Great Escape from Europe? Mehr noch hallt das "Stay!" aus Nolans "Interstellar" nach. Und: Junge Männer, alle auffallend schwarzlockig, warten am Strand, um mittels Kuttern und Schleppern vorm Krieg (und Nationalismus) übers Meer zu fliehen. Also auch ein Panorama jener Humanität, die heute "NGO-Wahnsinn" heißt.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis)

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