Filmkritik

Relativ eigenständig

© Christin Veith


In der Grazer Fröbelgasse stehen sich eine neue Mittelschule und eine private Modellschule unmittelbar gegenüber. Drei Jahre lang wurden für Veiths Regiedebüt unter den Jugendlichen der Schulen zwei Kameras weitergegeben, mit denen sie sich gegenseitig filmten und ihren Alltag sowie ihre Freizeit dokumentierten.

Regie:
Regie:
Christin Veith
Land:
Land:
Ö
Jahr:
Jahr:
2017
Dauer:
Dauer:
66 min
Kinostart:
Kinostart:
13. Oktober 2017

Zwei Seiten einer Gasse: "Relativ eigenständig"

SABINA ZEITHAMMER | 11.10.2017

Manchmal scheint die Realität selbst einem Theaterstück oder Film entsprungen zu sein. In der Grazer Fröbelgasse stehen sich zwei Schulen gegenüber - und bilden doch zwei getrennte Welten. Die Neue Mittelschule Fröbel, die vorrangig von jungen Menschen mit Migrationshintergrund besucht wird, und die Modellschule Graz, ein Privatgymnasium, in dem die Jugendlichen Bildernische Erziehung als Hauptfach haben. Während die Eltern der einen als Lkw-Fahrer und Reinigungskraft arbeiten, sind die anderen Sprösslinge von Psychotherapeutinnen und Grafikern.

Die Grazer Cutterin Christin Veith, einst selbst Schülerin der Modellschule, hat diese aufg'legte Situation zur Grundlage ihres Regiedebüts gemacht. Für ihre Dokumentation "Relativ eigenständig" konnte sie Schülerinnen und Schüler aus beiden Häusern gewinnen, die innerhalb von drei Jahren mehrere Kameras untereinander weitergegeben haben. Mit diesen dokumentierten sie die Schulgebäude und das Mittagessen ebenso wie ihre Freizeitaktivitäten, intime Gedanken und eine Menge Blödeleien. Auch lernten sie sich gegenseitig kennen und nahmen an einer gemeinsamen Theatergruppe teil.

So kurz Veiths sehenswertes Porträt mit 66 Minuten ist, so vollgepackt ist es mit jugendlichen Persönlichkeiten und all dem, was sie preisgeben wollen. Dies gestaltet sich oft sehr lustig -etwa wenn beide Gruppen die Aufgabe erhalten, sich aus der Sicht der anderen darzustellen.

Im Laufe der Zeit schleicht sich aber auch eine Melancholie in die Bilder und Gesichter, die mit dem Verlust von Unbeschwertheit zu tun hat, der das Erwachsenwerden unweigerlich begleitet -und die einen früher betrifft als die anderen. Der Traum von der Fotografenausbildung wird dann doch von der Kfz-Mechaniker-Lehre abgelöst.

Ab Fr in den Kinos

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