Empfohlen Filmkritik

Was uns bindet

© Mischief Films


Nachdem der Filmemacherin die Hälfte des Lungauer Bauernhauses ihrer Eltern überschrieben worden ist, setzt sie sich mit ihrer Herkunft, dem Leben auf dem Land und ihren komplizierten Familienverhältnissen auseinander. Spannender, mitunter auch beklemmender Dokumentarfilm.

Regie:
Regie:
Ivette Löcker
Land:
Land:
Ö
Jahr:
Jahr:
2017
Dauer:
Dauer:
102 min
Sonstiges:
Sonstiges:
Von der FALTER-Kinoredaktion empfohlen

Mutiges Familienporträt: "Was uns bindet"

Sabina Zeithammer | 29.11.2017

Eine Landschaft von oben, in Schräglage aufgenommen. Ein Gesicht von unten, in die Polsterung einer Massageliege gedrückt. Schwerer Atem. Ivette Löcker beginnt ihre Doku "Was uns bindet" mit einer persönlichen Einordnung. Sie sei jetzt wieder öfter daheim im Lungau, erzählt sie der Masseurin, und das führe zu erheblichen Verspannungen.

Löckers Eltern haben ihren drei Töchtern zwei Häuser überschrieben, das alte Bauernhaus gehört nun Ivette und ihrer Schwester Simone. Ausgehend von dieser Tatsache nähert sich die Regisseurin ihrem immateriellen Elternhaus. Vater und Mutter sind getrennt, leben aber im Haus, das sie zusammen gebaut haben -sie oben, er im Keller. Jedes Gespräch mündet nach wenigen Sekunden in eine Streiterei.

Wenn Löcker ihre Eltern nun gemeinsam und getrennt befragt, sie bei ihren täglichen Arbeiten beobachtet, den Vater zum Faschingsfest und zur Expo begleitet und mit der Mutter in deren slowenisches Heimatdorf fährt, dann überraschen immer wieder die Bereitschaft und der Mut aller Protagonisten, an diesem Filmprojekt teilzunehmen. Langsam schimmern universelle Themen durch die hoch persönlichen Konflikte hindurch: wie sich Dinge über Jahre einschleifen, welche Erwartungen Eltern und Kinder an eine Familie haben, wie Ereignisse aus der Vergangenheit nachwirken oder Alter und Tod eine Rolle zu spielen beginnen.

Enttäuschungen und Traurigkeit schwingen in Löckers auf der Diagonale ausgezeichnetem Werk mit -wiewohl auch humorvolle Elemente ihren Platz finden. Zu ändern gibt es nicht mehr viel; doch birgt der Film die Erkenntnis, dass eine versuchte Akzeptanz heilsamer sein kann als eine verzweifelte Distanz. Nach einem Jahr der Auseinandersetzung miteinander wirkt die ganze Familie ein Stück gelöster.

Ab Sa im Metro Kinokulturhaus

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