Empfohlen Filmkritik

Die göttliche Ordnung

© Alamode Film / Daniel Ammann


Nora Ruckstuhl, eine junge Hausfrau und Mutter, rebelliert. Sie will sich von "der göttlichen Ordnung" emanzipieren, zieht sich feministische Literatur rein und lässige Jeans an, besucht Workshops zur sexuellen Befreiung und und bringt den Frieden im Dorf zunehmend ins Wanken. Dass diese Selbstfindungskomödie im Jahre 1971 spielt, ist freilich alles andere als Zufall, denn erst damals wurde in der Schweiz das Frauenstimmrecht eingeführt.

Regie:
Regie:
Petra Volpe
Darsteller:
Darsteller:
Marie Leuenberger, Max Simonischek, Sibylle Brunner, Rachel Braunschweig, Marta Zoffoli, Therese Affolter
Land:
Land:
CH
Jahr:
Jahr:
2017
Dauer:
Dauer:
96 min
Kinostart:
Kinostart:
3. August 2017
Sonstiges:
Sonstiges:
Von der FALTER-Kinoredaktion empfohlen

Emanzipation auf Schwizerdütsch

EVA KLEINSCHWÄRZER | 02.08.2017

Manchmal lohnt es sich, einen Blick zurückzuwerfen. Nachdem in Deutschland kürzlich über die Ehe für alle abgestimmt wurde und vor allem konservative Stimmen einen Zerfall von Familienstrukturen prophezeien, widmet sich der Film "Die göttliche Ordnung" von Petra Volpe einem Thema, das vor gar nicht allzu langer Zeit medial mit ganz ähnlichen Befürchtungen diskutiert wurde: Die Einführung des Frauenwahlrechts in der Schweiz, das dort erst 1971 beschlossen wurde. Auch hier sahen konservativ-kirchliche Kräfte Familie, Tradition und überhaupt Identität in Gefahr und der Film schafft es, einen differenzierten Blick auf das gesellschaftliche Gefüge "Dorf" zu werfen und zu zeigen, dass sowohl Frauen als auch Männer das Thema Gleichberechtigung etwas angeht.

Der Film spielt in einem Bergdorf in Appenzell, wo die Diskussion um Frauenrechte in Zürich weit entfernt scheint und wo Frauen sich gesetzlich nach dem Willen ihres Mannes zu richten haben. Als sich auch im Dorf zaghafter Widerstand gegen diese oppressiven Strukturen regt, entwickelt sich eine Kraft, die für alle Emanzipationsbestrebungen wesentlich ist: Solidarität.

Zwar neigt der Film zu einigen Regieklischees, die Filme mit Lokalkolorit in den letzten Jahren durchziehen, und ist auch formal lange nicht so experimentierfreudig wie seine Protagonistinnen, doch er schafft gerade in Hinblick auf aktuelle Diskussionen ein interessantes und detailliertes Zeitdokument. Wenn man sich dann noch die Bezeichnung "Frauenkino" in vielen Ankündigungen oder die Youtube-Kommentare zum Trailer durchliest, hat man jedenfalls den Eindruck, dass dieser Film sehr unterhaltsam mit einem Thema umgeht, dass heute noch ebenso präsent und wichtig ist wie zu der Zeit, in der er spielt.

Ab Fr im Kino (OmU im Filmcasino und Admiral)

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