Empfohlen Filmkritik

Eine fantastische Frau

Una mujer fantástica

© Polyfilm


Die Kellnerin Marina und der 20 Jahre ältere Orlando lieben einander und planen eine gemeinsame Zukunft. Als er plötzlich stirbt, stellt sich seine Familie, die er für Marina verlassen hatte, gegen diese, selbst von seinem Begräbnis soll sie ausgeschlossen werden. Und so wie die Transgender-Frau früher dafür gekämpft hat, als Frau zu leben, muss sie nun für ihr Recht auf Trauer kämpfen. Äußerst intensives Frauenporträt, das ­ganz vom Charisma seiner Hauptdarstellerin Daniela Vega lebt.

Regie:
Regie:
Sebastían Lelio
Darsteller:
Darsteller:
Daniela Vega, Francisco Reyes, Luis Gnecco, Aline Kuppenheim
Land:
Land:
Chile/USA/E/D
Jahr:
Jahr:
2017
Dauer:
Dauer:
104 min
Kinostart:
Kinostart:
6. Oktober 2017
Sonstiges:
Sonstiges:
Von der FALTER-Kinoredaktion empfohlen

Drama und Selbsttest: "Eine fantastische Frau"

Sabina Zeithammer | 04.10.2017

Eine geradezu prachtvolle Herzenswärme erfüllt den Raum, wenn Orlando und Marina sich verliebte Blicke zuwerfen. Die Sängerin und Kellnerin ist gerade dabei, in die Wohnung des Geschäftsmannes einzuziehen, als Orlando an einer Hirnblutung stirbt. Marina ist von Trauer überwältigt, findet in ihrem Umfeld aber keinen Trost. Die Ärzte, die herbeigerufene Polizei - der desorientierte Orlando war gestürzt und weist Verletzungen auf -, Orlandos Exfrau, Geschwister und Kinder behandeln sie wie eine Aussätzige. Vorurteile und Hass schlagen ihr als Transfrau offen entgegen.

"Eine fantastische Frau" (im Original: "Una mujer fantástica") des chilenischen Regisseurs und Drehbuchautors Sebastián Lelio erzählt in der Folge von Marinas Kampf um ihre Würde und ihre Rechte als trauernde Hinterbliebene. Man mag zwar einwenden, dass die geballte Ladung von Diskriminierungen, Bedrohungen und sogar tätlichen Angriffen, die seine Heldin in der Folge erleiden muss - ja, selbst der Wind scheint sich gegen sie verschworen zu haben -, auf die Dauer übertrieben wirkt, Marinas ganzes Umfeld aus eindimensional gezeichneten Arschlöchern zu bestehen scheint und dies zulasten des Raums für ihre Lebensgeschichte geht.

Lelio zielt mit seinem stark von Blicken dominierten Werk aber vor allem auf einen Selbsttest des Publikums ab: Seine Protagonistin (beeindruckend: Daniela Vega), die so große Anmut besitzt, wie sie gern auf eine Boxbirne einschlägt, sei eigentlich eine "kubistische Figur", die sich ständig verändert, während die Zuseher verschiedene Vorstellungen in sie hineinprojizieren. Diese ganz eigene Herangehensweise an das Thema Transsexualität geht wunderbar auf -etwa wenn Marina in einer Sauna buchstäblich die Bereiche des Weiblichen und des Männlichen durchschreitet.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Stadtkino)

Anzeige

Anzeige

Diese Filme könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige


×