Empfohlen Filmkritik

Lucky

© Polyfilm


In memoriam Harry Dean Stanton: Der überragende Charakterdarsteller mit dem einprägsamen Gesicht spielt in Lynchs Regiedebüt als 90-Jähriger noch einmal die Hauptrolle. Was als Komödie über einen alten Cowboy mit seinen täglich gleichen Routinen beginnt, entwickelt sich bald zu einer ironischen Reflexion über den Tod.

Regie:
Regie:
John Carroll Lynch
Darsteller:
Darsteller:
Harry Dean Stanton, David Lynch, Tom Skerritt, Ed Begley Jr., Beth Grant
Land:
Land:
USA
Jahr:
Jahr:
2017
Dauer:
Dauer:
88 min
Sonstiges:
Sonstiges:
Von der FALTER-Kinoredaktion empfohlen

Harry Dean Stanton, stoisch mit Witz in "Lucky"

D. Robnik | 04.04.2018

Glück ist, wenn eine Wiederholung willkommen ist. "Lucky" ist ein Spielfilm lakonischer Wiederholungen, zeigt die Exerzitien eines 90-Jährigen in einem Kaff in Arizona: morgens Turnen, Spaziergang mit Cowboyhut und -boots, Plausch mit Verkäuferin, Meckern zum Dinerkellner, Altspatzentreff in der Bar zu Drinks und Reminiszenen. Ab und zu ein Kreuzworträtsel.

Klingt nach nicht viel und könnte (auf Jim Jarmuschs Spuren) tiefsinnig oder kauzkomikselig geraten. Tut es aber kaum. "Lucky" ist schön, witzig und lässt der Titelfigur Raum; die spielt der 1926 geborene, seit 1954 aktive Harry Dean Stanton in Gleichmut mit Anflügen von Grant und Schalk, stur und unberechenbar. Ihm ist der Film ein Monument, eines, das ganz gelöst ist in Alltägliches, samt Wiederbegegnungen en passant mit markanten Stanton-Rollen: Das Gehen im Wüstenkaff weist nach "Paris, Texas"; Szenen mit Bargast David Lynch erinnern an Stantons Parts in dessen Filmen. "Lucky" ist das Regiedebüt eines anderen Lynch, John Carroll Lynch, bewährt als Thrillerdarsteller.

Ein Wiedersehen gibt es quasi auch mit seinem Captain aus "Alien": Den spielte damals Tom Skerritt, Stanton war der Space-Hackler mit Basecap, und auch in ihrer beider Thekentalk geht's um ein Alien-Erlebnis - um eine Japanerin, die im Krieg 1944 US-Soldaten, von denen sie glaubt, sie würden sie nun töten, anlächelt. Dieses postkolonial gewendete Alien-Thema hat ein Echo in einer Szene, in der Stanton als einziger Weißer auf einem mexikanischen Fest mit brüchiger Stimme ein Lied auf Spanisch singt (eine Geste an Leute, gegen die Trump hetzt). Und Lächeln angesichts des Todes, stoisch im Abgang, auch das klingt weiter in diesem heiteren Film, der 2017 die Viennale eröffnete. Deren Direktor Hans Hurch und Stanton, beide starben vorigen Sommer.

Ab Fr im Kino (OmU im Filmhaus)

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