Empfohlen Filmkritik

Western

© Stadtkino


Culture-Clash-Drama in Gestalt eines Westerns: Eine Gruppe deutscher Bauarbeiter soll in Bulgarien ein kleines Wasserkraftwerk errichten. In der Begegnung mit der lokalen Bevölkerung kommen Über- und Unterlegenheitsgefühle zum Ausdruck. Meinhard, der schweigsame, einsame Held des Films, scheint zu keiner der beiden Seiten zu gehören.

Regie:
Regie:
Valeska Grisebach
Darsteller:
Darsteller:
Meinhard Neumann, Reinhardt Wetrek, Syuleyman Alilov Letifov
Land:
Land:
D/Ö/BG
Jahr:
Jahr:
2017
Dauer:
Dauer:
115 min
Kinostart:
Kinostart:
3. November 2017
Sonstiges:
Sonstiges:
Von der FALTER-Kinoredaktion empfohlen

Die Schimmelreiter: Grisebachs "Western"

GERHARD MIDDING | 31.10.2017

In postkolonialen Zeiten ist die heroische Erzählung des Genres gehörig in Verruf geraten. Angesichts des Genozids, der mit ihr einherging, will die Erschließung des Westens nicht mehr als zivilisatorische Leistung erscheinen. Gleichwohl besitzt sie eine faszinierende Dynamik: Etwas entsteht, das zuvor nicht da war.

In diesem Sinne ist Valeska Grisebach eine Kolonistin des Erzählens, denn sie erschließt dem deutschen Kino ein Terrain der Romantik und des Abenteuers, das es zuvor nicht kannte. Titel und Figurenzeichnung ihres neuen Films gebricht es erfreulich an Ironie.

Ein deutscher Bautrupp auf Montage in Bulgarien wird in die großen Konflikte des Genres verstrickt: in den Streit um Boden und Wasser, die Suche nach neuer Identität in der Fremde; schließlich die Rivalität um eine schönes Pferd und eine schöne Frau. Die Mythen treten ohne Überhöhung auf den Plan, sind vielmehr in einem exotischen Alltag geborgen. "Western" lässt den Zuschauer tief eintauchen in seine Welt. Bernhard Kellers Kamera erkundet achtsam eine Berglandschaft voller Fallhöhen und Unwägbarkeiten. Die Grenze (hier: zu Griechenland) ist nicht weit, die Verlockung eines Anderswo mithin stets gegenwärtig.

Die Regisseurin erstreitet ihren Charakteren eine Geschichte und ist zugleich offen für das, was sich voraber nicht erfinden lässt. Das Drama stellt sich schleichend ein; es ist fest verwurzelt im Milieu und dem charismatischen Spiel der Laien. Grisebachs Erzählgestus ist wunderbar gewährend. Er besitzt er eine innige, gewiss unbewusste Verwandtschaft zum sublimen "The Wonderful Country" (1959) von Robert Parrish, der mit lyrischer Geduld zuschaut, wie ein Außenseiter in eine Gemeinschaft aufgenommen wird und zugleich lernt, sich ihr zu öffnen.

Ab Fr im Stadtkino im Künstlerhaus

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