Empfohlen Filmkritik

Grace Jones: Bloodlight and Bami

© Viennale


Das faszinierende Porträt einer Popikone der 1980er: überlebensgroß, divenhaft bis zur Karikatur, unzähmbar wild, respekteinflößend, androgyn - Grace Jones, 69, zieht alle Register. "Nach zwei Filmen mit und über Slavoj Zizek feiert Regisseurin Sophie Fiennes wieder eine vehemente Diva, deren Rede-Groove System hat – und einen ziemlichen Schmäh" (Dr. Robnik).

Regie:
Regie:
Sophie Fiennes
Land:
Land:
GB/IRL/D
Jahr:
Jahr:
2017
Dauer:
Dauer:
115 min
Sonstiges:
Sonstiges:
Von der FALTER-Kinoredaktion empfohlen

Witz, Stil, Schwips: "Grace Jones: Bloodlight & Bami"

Drehli Robnik | 24.01.2018

Der Titelzusatz heißt in etwa "Brot und Spiele". "Grace Jones: Bloodlight and Bami" dokumentiert die aus Jamaika stammende Sängerin, eine proto-queere Institution, auch als Model und Schauspielerin, seit den frühen 1970ern. Gezeigt wird ihre Gegenwart: ihr Heute, ohne Archiv- oder Beglaubigungsschnipsel, und ihre Präsenz, also ihre Erscheinung. Bloodlight heißt in Jamaika das Rotlicht im Show-und Medienbetrieb. Lichtmalerei auf elastischem Körper, drapiert in tribalem Make-up, futuristischem Textil und frechen Hüten, das zelebriert der Film, wenn Jones im Club ekstatisch tanzt, und bei rezenten Konzerten, in toller Deko, mit 1980er-Hits ("Slave to the Rhythm","Pull up to the Bumper") und Robot-Gospel aus dem 2008er-Album "Hurricane". Der Song "Williams Blood" handelt von Familienblutsbanden.

Abseits des bloodlight versammeln sich Generationen: Pariser Enkelkind, recht neu geboren, in Jones' Hand; Herkunftsfamilie, die sie (Jahrgang 1948) in Jamaika besucht. Bami heißt dort ein Brot. Das steht für die Milieu- und Backstage-Passagen des Films: Kaum zieht sich's, wird's wieder knusprig, auf Kleinbusreise, im Familienküchengespräch, in der Kirche mit der Mutter, wenn ich es recht verstehe; die alte Dame singt schön schrill. Der Mensch lebt nicht nur von Brot, bzw. geht dieses hier auch im Erscheinen auf. Mitunter ist die Doku gezielt diffus, wie der Nebel auf karibischem Wald, darüber Jones' Befehlston ans Publikum. Der geht, sagt sie, auf die Härte ihrer religiösen Erziehung zurück.

Deutlich sind Jones' Worttiraden. Schimpfen am Handy, Schminken vorm Spiegel, Sinnieren mit Schwips im Hotel, nackt unterm Pelz. Nach zwei Filmen mit und über Slavoj Zizek feiert Regisseurin Sophie Fiennes wieder eine vehemente Diva, deren Redegroove System hat - und einen ziemlichen Schmäh.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)

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