Filmkritik

Tarpaulins

© Lisa Truttmann


Die "Termitenkunst", die Filmkritiker Manny Farber einst im Kino beschworen hat, wird in diesem - leider zum Langfilm ausgewalzten Dokuessay - quasi beim Wort genommen: Die Tarpaulins des Titels sind "Zelte", worin ganze Häuser verpackt werden, um die Immobilien begasen und das Ungeziefer - Flöhe, Wanzen, aber vor allem Termiten - vernichten zu können. Eine amerikanische (Erfolgs-)Geschichte.

Regie:
Regie:
Lisa Truttmann
Land:
Land:
Ö/USA
Jahr:
Jahr:
2017
Dauer:
Dauer:
78 min
Kinostart:
Kinostart:
29. Juni 2018

Von Städten, Termiten und bunten Planen: Tarpaulins

SABINA ZEITHAMMER | 20.06.2018

Sie sehen aus wie überdimensionale Hüpfburgen, Zirkuszelte oder bunt gestreifte Skulpturen. Doch die mit Tarpaulins -zu Deutsch Planen - abgedichteten Häuser, auf die die österreichische Medienkünstlerin und Filmemacherin Lisa Truttmann in Los Angeles gestoßen ist, sind Anzeichen für ein Massensterben: Mittels Gas werden hier Termiten getötet, die die Holzkonstruktionen verspeisen.

Für "Tarpaulins" hat Truttmann die Form eines dokumentarischen Essays gewählt. Zwar hat sie mit Insektenforschern, Kammerjägern und Umweltexperten gesprochen, sichtbar sind diese aber höchstens aus der Distanz. Zu Bildern verhüllter Häuser, zerfressener Holzstücke und von Händen, die über bunte Planen streichen, ist ein Stimmengemisch im Voice-over zu hören: Neben den Interviews finden sich Zitate aus Werken von Sigmund Freud ("Das Unheimliche"), des Biologen Eugène Marais oder der Historiker Norman Klein und Mike Davis. Aber auch die Stimme eines Alter Egos, das das Filmprojekt selbst hinterfragt. Mit langen Assoziationsketten und konzentrischen Gedankenkreisen erforscht "Tarpaulins" so biologische, historische und ökonomische, ökologische, soziologische, philosophische und ästhetische Aspekte seines Feldes.

Nicht immer ist es dabei leicht, der Mischung aus Kunstfilm, Doku mit Anflügen von "Die Sendung mit der Maus" und Langfilmdebüt mit Studentenprojekt-Charme zu folgen. Dass den Termiten Manny Farbers von ihnen inspirierter und nun auf sie zurückgeführter Text "White Elephant Art vs. Termite Art" mehr als wurscht ist, kann man ihnen ansehen. Einige überraschende Zusammenhänge und assoziativ-schwebende Fragestellungen gibt "Tarpaulins" dem Publikum jedenfalls mit. Und ist Zeugnis der mutigen Handschrift einer vielversprechenden Filmemacherin.

Ab Fr im Metro Kinokulturhaus (OmU)

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