Filmkritik

Wonder Wheel

© Photography by Jessica Miglio © 2017 Gravier Productions, Inc.


Allens neuer Film führt in die 1950er und auf die Halbinsel Coney Island mit ihrem Vergnügungspark. Hier arbeitet die fragile ehemalige Schauspielerin Ginny als Kellnerin. Sie ist mit dem ungehobelten Humpty verheiratet, der ein Karussell betreibt, und verliebt sich in den Rettungsschwimmer Mickey. Da taucht Humptys Tochter Carolina auf, die sich vor einer Gruppe von Gangstern versteckt.

Regie:
Regie:
Woody Allen
Darsteller:
Darsteller:
Kate Winslet, Juno Temple, Justin Timberlake, James Belushi, Debi Mazar, Max Casella, Tony Sirico, Steve Schirripa
Land:
Land:
USA
Jahr:
Jahr:
2017
Dauer:
Dauer:
101 min
Kinostart:
Kinostart:
26. Januar 2018

Bretter, die die Welt langweilen: "Wonder Wheel"

David Auer | 10.01.2018

Seit mehr als 50 Jahren bringt Woody Allen im circa 365-Tage-Takt einen Film nach dem anderen auf die Leinwand. In der letzten Zeit mehr Misses denn Hits. Und auch sein neuester, "Wonder Wheel", zählt zu dieser Kategorie. Wie eh und je versammelt er viele Stars vorm Objektiv, darunter auch den ehemaligen Boyband-Frontmann und seit einer Dekade nun Kino-Beau Justin Timberlake, der halt diesmal als Quasi-Proxy für Allen herhalten muss. Die Vierte Wand durchbrechend, adressiert er das Publikum immer mal wieder und gibt zu verstehen, dass das, was es sieht, seine Version der Geschichte ist.

Und die geht so: Eine junge Frau sucht auf der Flucht vor ihrem Mafia-Ehemann Refugium beim entfremdeten Prolo-Papa ("gespielt" von Jim Belushi), dessen Gattin mit Schauspielerambitionen (hysterisch: Kate Winslet) sich unzufrieden durchs Leben schleppt und eine Affäre mit dem Erzähler des Films anfängt. Der ist nicht nur ein sexy Bademeister am Strand von Coney Island, sondern vor allem Bühnenautor in spe.

Was sich folgend entspinnt, wirkt auch so, als handle es sich um eine Inszenierung des Möchtegern-Dramatikers: Die Gesten zu groß, die Handlung auf Seifenopernniveau, zu viel Tell, zu wenig Show. Das vielversprechende Sensationspotential des Jahrmarktsettings und Gangster-Subplots bleibt leider unausgeschöpft -"Wonder Wheel" ist Theaterkino und auf schlechte Weise prätentiös.

Sicherlich eine Meta-Finte à la Allen -im Sinne von: Das ist gar nicht mein Film, sondern das Stück des Protagonisten, der zu viel Ibsen gelesen, aber zu wenig davon verstanden hat -, dabei aber fad, bräsig, dröge. Das hat er schon mehrmals besser hinbekommen und bei den Credits im üblichen Font wünscht man sich, die letzten 100 Minuten im Wiener Wurstel-Prater verbracht zu haben.

Ab Fr im Haydn (OF) und Votiv (OmU)

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