Empfohlen Filmkritik

Casting

Regisseurin Vera plant ein TV-Remake von Fassbinders "Die bitteren Tränen der Petra von Kant", doch während der Drehstart näher rückt, sucht sie in einem mühsamen Castingprozess immer noch nach ihrer Hauptdarstellerin. Gerwin, eigentlich nur Probenpartner der Kandidatinnen, wittert in einem von Machtspielen geprägten Reigen seine große Chance auf ein Engagement.

Regie:
Regie:
Nicolas Wackerbarth
Darsteller:
Darsteller:
Andreas Lust, Judith Engel, Ursina Lardi, Corinna Kirchhoff, Andrea Sawatzki
Land/Jahr:
Land/Jahr:
D 2017
Dauer:
Dauer:
91 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe

Gewinnen und zerrinnen in Endlosschleife: "Casting"

Sabina Zeithammer | 13.12.2017

Gut siehst du aus", flötet Casterin Ruth. Dass die Schauspielerin Almut Dehlen trotzdem in die Maske gehen soll, stimmt sie grantig - sie sei bereits geschminkt und überhaupt beim vierten Anlauf, eine Rolle im TV-Remake von Rainer Werner Fassbinders Liebes-,Leidenschaftsund Machtdrama "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" zu bekommen, ohne von Regisseurin Vera Feedback erhalten zu haben. Nicht einmal ihr potenzieller Filmpartner ist vor Ort, nur Anspielpartner Gerwin steht zur Verfügung.

Anfang und Schluss von Nicolas Wackerbarths "Casting" sind das Beste eines Films über das Filmbusiness, in dem nach Almut noch vier weitere Schauspielerinnen um die Hauptrolle buhlen. Derweil entwickelt sich Gerwin (Andreas Lust) zur Hauptfigur: als unterwürfiger Wendehals, der unter der Oberfläche frustriert und aggressiv ist, wittert der ehemalige Schauspieler im Lauf der Castings die Chance auf eine Rolle.

Dass der in einem anspruchsvollen Arbeitsprozess entstandene Improvisationsfilm die Branche selbst als halb bitterer, halb ironischer Blick hinter die Kulissen beglückt, überrascht nicht. Anderen stellt sich der Film als eher quälende Vorführung des Prinzips "Wie gewonnen, so zerronnen" in Endlosschleife dar, abgewechselt nur vom Verhalten Veras und Gerwins, die mit endlosem Zögern und Hakenschlagen um diese Fallgrube lavieren. Nach kurzer Zeit droht das Interesse an den Figuren, die wahlweise unsympathisch, unfähig, weinerlich oder hysterisch sind (wobei die Frauen noch schlechter wegkommen als die Männer), in diesem Jammertal zwischen Filmkulissen zu verpuffen.

Und das Beste zum Schluss? Ein ruhigerer Moment, dicht und spannend auf die Fassbinder-Vorlage bezogen. Nur dass es hier um die Leidenschaft für einen Beruf geht.

Ab Fr im Stadtkino im Künstlerhaus

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Dieser Film läuft aktuell nicht in österreichischen Kinos.

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