Empfohlen Filmkritik

The Florida Project

© Thimfilm


Am Rande des Walt Disney World Resort in Orlando sind die schäbigen Hotelkomplexe mehr oder weniger zu sozialen Wohnbauten geworden. Hier lebt der Hausmeister Bobby (Dafoe), der die Missetaten einer destruktiven Kinderbande rund um die sechsjährige Moonee in Grenzen zu halten versucht. Aus der Perspektive eines Kindes wirft Sean Baker einen nüchternen und dabei sehr liebevollen Blick auf den Alltag von Menschen am trostlosen Rand der amerikanischen Gesellschaft.

Regie:
Regie:
Sean Baker
Darsteller:
Darsteller:
Willem Dafoe, Brooklynn Prince, Valeria Cotto, Bria Vinaite, Christopher Rivera
Land:
Land:
USA
Jahr:
Jahr:
2017
Dauer:
Dauer:
115 min
Kinostart:
Kinostart:
16. März 2018
Sonstiges:
Sonstiges:
Von der FALTER-Kinoredaktion empfohlen

Armut im Märchenschloss: "The Florida Project"

Sabina Zeithammer | 14.03.2018

Die Fassade leuchtet in Lila, die Balkone geben den Blick auf Palmen und den Pool frei. Im "Magic Castle Motel", einer von zahlreichen Unterkünften in unmittelbarer Nähe zur Disney World in Orlando, Florida, bewohnen Moonee und ihre Mutter Halley ein Zimmer. Die Sommerferien haben begonnen, und die aufgeweckte Sechsjährige macht mit ihren Freunden die Gegend unsicher. Da landet ein toter Fisch im Pool, werden Autos bespuckt, Schimpfwörter gebrüllt und Touristen um Kleingeld angebettelt. Während Halley die Erziehung vernachlässigt, versucht der gutmütige Motelmanager Bobby (Willem Dafoe), das Chaos in Zaum zu halten.

Sean Baker ("Tangerine L.A.") zeigt in "The Florida Project" zunächst sonnendurchflutete Tage in einer ungewöhnlichen Parallelwelt. Dass ihre Lebenssituation eine prekäre ist, weiß Moonee (Brooklynn Prince) nicht, und auch das Publikum überblickt dies erst nach und nach. Die arbeitslose Halley (Bria Vinaite) kratzt die Miete für das herabgekommene Motel, das für viele die letzte Station vor der Obdachlosigkeit ist, von Woche zu Woche mühsamer zusammen und rutscht in die Illegalität. Bobby hilft, wo er kann, doch seine Möglichkeiten sind begrenzt.

Ganz ähnlich wie "Die beste aller Welten" wählt "The Florida Project" eine kindliche Perspektive, um von Not und Überforderung zu erzählen. Unbeschwertheit und sanfter Humor weichen langsam einer Zuspitzung der Ereignisse und einer tiefen Traurigkeit, die in einer ergreifenden Schlussszene kulminiert. Mit seinem großartig gespielten und gefilmten Drama (Kamera: Alexis Zabé) rückt Baker die Marginalisierten Amerikas ohne moralischen Zeigefinger in den Fokus der Aufmerksamkeit. - Er sei umgefallen, aber wachse trotzdem noch, begründet Moonee einmal die Wahl ihres Lieblingsbaumes.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)

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