Empfohlen Filmkritik

Detroit

© Concorde


Die Black-History-Lektion zu Beginn bleibt kurz, ebenso das staatsmachttaktische Vor- und juridische Nachspiel einer Nacht voll tödlicher Polizeigewalt während der race riots in Detroit 1967. Kathryn Bigelow zentriert eine Extremsituation. Mikrodynamik in einem Motel: In der Raum-Fixierung pulsieren Blickrelationen und veritable Rollenspiele – "kreative" Folter als simulierte (und echte) Exekution schwarzer Verdächtiger. Der Einschüchterungsterror wiederholt sich vor Gericht; am Ende Freispruch der weißen Cops und Morddrohungen gegen Zeugen. Gegenterror verbreitet Bigelows reißerisch aufputschende Regie, oft im Stakkato von Reißschwenks, Blendlicht und Umschärfungen. (Dr. Robnik)

Regie:
Regie:
Kathryn Bigelow
Darsteller:
Darsteller:
John Boyega, Will Poulter, Algee Smith, Jacob Latimore, Jason MItchell, Hannah Murray, John Krasinski
Land:
Land:
USA
Jahr:
Jahr:
2017
Dauer:
Dauer:
143 min
Kinostart:
Kinostart:
24. November 2017
Sonstiges:
Sonstiges:
Von der FALTER-Kinoredaktion empfohlen

Damals in Detroit: Bigelow zeigt Cops, Folter, Zeugen

Drehli Robnik | 22.11.2017

Die Black-History-Lektion zu Beginn bleibt kurz, ebenso das staatsmachttaktische Vor- und juridische Nachspiel einer Nacht voll tödlicher Polizeigewalt während der race riots in Detroit 1967. Kathryn Bigelow zentriert (wie in "K-19" oder im Oscar-Gewinner "Hurt Locker") eine Extremsituation. Mikrodynamik in einem Motel: In der Raum-Fixierung pulsieren Blickrelationen und veritable Rollenspiele -"kreative" Folter als simulierte (und echte) Exekution schwarzer Verdächtiger. Der Einschüchterungsterror wiederholt sich vor Gericht; am Ende Freispruch der weißen Cops und Morddrohungen gegen Zeugen. Gegenterror verbreitet Bigelows reißerisch aufputschende Regie, oft im Stakkato von Reißschwenks, Blendlicht und Umschärfungen.

Immer wieder ertönt Motown-Soul, im Radio oder vor Ort gesungen. Einer der Misshandelten war Sänger der Dramatics, die an besagtem Abend beinah mit den Supremes aufgetreten wären. Da hallt Bigelows Riot-Grunge-Pop-Feuerwerk "Strange Days" nach, das 1995 auf den Aufstand nach Freisprüchen im Fall rassistischer Polizeigewalt gegen Rodney King anspielte. Auch damals trug der Schrecken Uniform und Grinsgrimasse. In "Detroit" trägt sie Will Poulter (der dafür auf die Clownsrolle in "It" verzichtete); im Kontrast dazu bebt die Lippe im mühsam ruhig gehaltenen Gesicht John Boyegas als schwarzer Wachmann, der alles mit ansieht, aber fast ebenso wenig eingreift wie die weißen Zeugen.

Bigelows Ohnmachtsoper zeigt keinerlei Aktivismus. Sie stellt einen Fall als Drama in einen Kontext, den der Folterbilderstreit um "Zero Dark Thirty" prägt: Wird Folter nicht gesehen, spielt das Tätern in die Hand. Und in einen Genderkontext: Das Wüten der Cops, die weiße Tramperinnen beim Flirt mit schwarzen Motelgästen antreffen, ist auch ein Fall sexueller Aggression.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis)

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