Empfohlen Filmkritik

Lady Macbeth

© Polyfilm

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England, ein Landgut, 1856. Die schöne Katherine, verheiratet mit einem älteren Ekel, beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit dem jungen Stallburschen Sebastian. Fortan wird sie sich niemandem mehr unterwerfen. "William Oldroyds gekonnte Inszenierung entkleidet die Geschichte aller viktorianischen Folklore: So schroff und konzentriert war noch kein britischer Kostümfilm." (Gerhard Midding)

Regie:
Regie:
William Oldroyd
Darsteller:
Darsteller:
Florence Pugh, Cosmo Jarvis, Paul Hilton, Noamie Ackie, Christopher Fairbank
Land:
Land:
GB
Jahr:
Jahr:
2016
Dauer:
Dauer:
89 min
Kinostart:
Kinostart:
1. Dezember 2017
Sonstiges:
Sonstiges:
Von der FALTER-Kinoredaktion empfohlen

Schroff und konzentriert: "Lady Macbeth"

Gerhard Midding | 29.11.2017

Die Bilder tragen schwer an der Last des Abwesenden. Das Breitwandformat könnte so viel enthalten und zur Schau stellen. Aber vorerst betont es die Enge der Verhältnisse, bleibt fixiert auf Tür-und Fensterrahmen sowie karg eingerichtete Interieurs, die umschlossen sind von schmucklosen Wänden. William Oldroyds Inszenierung ist eine Ausschweifung des Vorenthaltens. Sie entkleidet die Geschichte aller viktorianischen Folklore: So schroff und konzentriert wie "Lady Macbeth" war noch kein britischer Kostümfilm.

Das Abwesende sind Freiheit und Leidenschaft. Heimlich nisten sie schon in den Bildern, um sich dann fiebrig Bahn zu brechen. Furios überträgt das Kinodebüt des jungen Theaterregisseurs Nikolai Leskows Novelle (die Vorlage von Schostakowitschs skandalöser Oper war) ins Nordengland der 1860er-Jahre. Zuerst ist Katherine (Florence Pugh) noch die Gefangene eines dumpfen, verächtlichen Patriarchats, das ihr zum Beischlaf unfähiger Mann und ihr tyrannischer Schwiegervater in aller Scheußlichkeit repräsentieren. Brüsk löst sie sich aus den sittlichen Verschnürungen ihrer Zeit, nimmt sich zuerst das Recht, sich frei in Hof und Landschaft zu bewegen, und erwählt sodann den neuen Stallburschen Sebastian (Cosmo Jarvis) zum Liebhaber.

Die Welt der Männer und Frauen scheidet der Film als unvereinbare Sphären des Innen und Außen, der Nacht und des Tages. Versöhnen wird er sie nie, nicht einmal im Rausch der Amour fou, die von seinen Protagonisten Besitz ergreift. Die Selbstermächtigung der anstößigen Frau nimmt keine Rücksicht mehr auf die Standesverhältnisse. Sie vollzieht sich blutrünstig, zeigt, dass auch sie Geschmack gefunden hat an Sadismus und Demütigung. Oldroyds Blick auf seine Heldin bleibt kühl, doch er gewährt ihr Spielraum.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)

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  • Termine am Freitag, 22. Juni

  • Niederösterreich

  • Kino Baden, 2500 Baden
    18:00
  • Termine am Sonntag, 1. Juli

  • Niederösterreich

  • Kino Baden, 2500 Baden
    17:00 (OmU)

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