Empfohlen Filmkritik

Radiance

Hikari

© Filmladen

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Philosophisch gestimmtes Liebesdrama um eine junge Frau, die Audiodeskriptionen für Blinde verfasst, und einen Fotografen, der das Augenlicht verliert.

Regie:
Regie:
Naomi Kawase
Darsteller:
Darsteller:
Masatoshi Nagase, Ayame Misaki, Tatsuya Fuji, Noémie Nakai
Land:
Land:
J/F
Jahr:
Jahr:
2017
Dauer:
Dauer:
103 min
Kinostart:
Kinostart:
7. Dezember 2017
Sonstiges:
Sonstiges:
Von der FALTER-Kinoredaktion empfohlen

Bilder, Worte, Kinopoesie: "Radiance"

Sabina Zeithammer | 06.12.2017

Es ist ein kaum bekanntes Betätigungsfeld, in das die Regisseurin und Drehbuchautorin Naomi Kawase mit ihrem neuen Spielfilm Einblick nimmt: die Audiodeskription für Kinofilme. Die scheue Misako ist Autorin jener Bildbeschreibungen für sehbehinderte und blinde Menschen. Als sie ihren Textentwurf für ein melancholisches Liebesdrama vor einem Testpublikum präsentiert, lernt sie Nakamori kennen. Der Fotograf, der mit seiner fortschreitenden Erblindung konfrontiert ist, kritisiert Misakos Arbeit scharf. In mehreren Begegnungen entwickelt sich dennoch ein gegenseitiges Interesse zwischen den beiden.

"Radiance" (Originaltitel: "Hikari") ist ein Werk, dem man sich mit aufmerksamer Geduld nähern muss. Denn zunächst haben Kawases Protagonisten - der verbitterte Künstler und das brave, zerbrechliche Mädchen im Körper einer Frau, dessen Vater verschwunden und dessen Mutter demenzkrank ist, einiges Irritationspotenzial. In langsamen Dialogen und stark von Großaufnahmen der Gesichter geprägten Szenen erfährt man gerade das Nötigste über sie.

Doch es zahlt sich aus, der Geschichte ihre Zeit zu geben. Kaum merklich baut sich hier eine Spannung auf, die in Universellem fußt: Mit Wiederholungen (Misako arbeitet daran, die richtigen Worte für die komplexe Schlussszene des Films im Film zu finden) und Spiegelungen der Figuren ineinander erzählt Kawase von Verlust und dessen Akzeptanz, von der Ausdauer und dem Mut, die es braucht, um Wahrhaftigkeit unter der Oberfläche zu finden, von Freundschaft und Liebe sowie nicht zuletzt von der Kraft der Kunstform Film selbst, die Sehende wie Blinde erreicht. Was kompliziert klingt, vermittelt "Radiance" zart und berührend auf einer sinnlich-emotionalen Ebene, die jenseits von Worten liegt: eine seltene, besondere Kinopoesie.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)

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