Filmkritik

Die Wunderübung

© Allegro Film


Paartherapie nach Daniel Glattauer, auf der Leinwand ein gemischtes Vergnügen - erste Halbzeit: Theater - Pause - zweite Hälfte: Film. Schauspielkino vom Feinsten.

Regie:
Regie:
Michael Kreihsl
Darsteller:
Darsteller:
Aglaia Szyszkowitz, Devid Striesow, Erwin Steinhauer
Land:
Land:
Ö
Jahr:
Jahr:
2017
Dauer:
Dauer:
90 min
Kinostart:
Kinostart:
2. Februar 2018

Nur ein halber Film: "Die Wunderübung"

Sabina Zeithammer | 31.01.2018

Wie anders ist es doch heute zwischen Joana und Valentin, wie anders als damals, als sie beim Tauchkurs im Urlaub ein Paar wurden. 17 Jahre später tauchen die Doreks nur noch ins Menschenmeer ein, das die Wiener U-Bahn füllt, um sich mit angfressenen Gesichtern zur Eheberatung zu begeben. Im sommerlich durchfluteten Raum des Therapeuten geht der Streit, der sich hartnäckig eingeschliffen hat, gleich weiter: Joana weiß alles besser und stichelt ohne Unterlass, Valentin gibt sich begriffsstutzig und gefühlskalt. Der Therapeut (in Hochform: Erwin Steinhauer) versucht es mit Wohlwollen und exzessiver Freundlichkeit, Übungen und Rollenspielen. Doch der Härtefall treibt auch ihn an die Grenzen. Erst als Joana und Valentin mitbekommen, dass ihr Berater offenbar selbst in einer massiven Krise steckt, gerät zwischen ihnen etwas in Bewegung.

Mit "Die Wunderübung" hat Regisseur und Drehbuchautor Michael Kreihsl Daniel Glattauers gleichnamige Komödie (2014) adaptiert. Dass er die literarische Vorlage 2015 bereits als Theaterstück in den Wiener Kammerspielen inszeniert hat, schwingt im Film mit. Die erste Hälfte hat die Anmutung eines recht gespreizten Bühnengeschehens: Theatralisch ergänzen die Streithähne (Aglaia Szyszkowitz und Devid Striesow) die Aussagen ihres Gegenübers, theatralisch nickt Valentin bei einer Übung mit geschlossenen Augen ein, theatralisch löffelt der Therapeut dabei sein Joghurt. Nach einer sowohl für die drei Figuren wie für das Publikum erholsamen Pause löst sich der Film vom geschriebenen Wort und gewinnt an Eigendynamik. Zwar mag man nun bald erahnen, welches Geheimnis sich hinter den Wendungen der Geschichte verbirgt, doch ist die zweite Hälfte gelungen -spritzig, schwarzhumorig und ein wenig unbequem. Besser ist der Stoff aber trotzdem im Theater aufgehoben.

Ab Fr in den Kinos

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