Filmkritik

The Killing of a Sacred Deer

© Alamode Film


Ein Teenager klagt die verdrängte Schuld ein, die ein Herzchirurg am Operationstod seines Vaters trägt, indem er dem Arzt am Arbeits-, bald auch Wohnort nachstellt. Er drängt ihn in die Rolle eines Ersatzvaters und Lovers für seine verwitwete Mutter, während er dessen Teenie-Tochter anmacht. Das liberal-guilt-Szenario (Klassendifferenz ist mit im Spiel) wirkt vertraut: Hausbrauch im Euro-Arthaus. Wer will, kann es mythisch finden. (Dr. Robnik)

Regie:
Regie:
Yorgos Lanthimos
Darsteller:
Darsteller:
Colin Farrell, Nicole Kidman, Barry Keoghan, Sunny Suljic, Alicia Silverstone
Land:
Land:
GB/IRL
Jahr:
Jahr:
2017
Dauer:
Dauer:
121 min
Kinostart:
Kinostart:
12. Januar 2018

Lass dich lähmen: Mystery mit Kid, Mann &Kidman

Drehli Robnik | 10.01.2018

Diesem Film eilt viel Lob seitens der Filmkritik samt Vergleich mit Kubricks "Shining" voran. Das sagt sich an sich leicht, und der Vergleich wäre unfair, wäre nicht eh zu erwarten, dass "The Killing of a Sacred Deer" nicht so gut ist wie "Shining" - was immer das heißt -, und wäre nicht die Musik hier oft ähnlich - und das heißt: kesselnde Pauken, schrille Streicher. Dazu Gehen in Kamerafahrten, verlangsamte Wortwechsel. Schon ominös. Kalt rund um die innen und außen brüchige Kleinfamilie ist's auch hier, gewalteruptiv ebenso, und wer will, kann es mystisch finden.

Ein Teenager (Barry Keoghan) klagt die verdrängte Schuld ein, die ein Herzchirurg am Operationstod seines Vaters trägt, indem er dem Arzt am Arbeits-, bald auch Wohnort nachstellt. Er drängt ihn in die Rolle eines Ersatzvaters und Lovers für seine verwitwete Mutter, während er dessen Teenie-Tochter anmacht. Das Liberal-guilt-Szenario (Klassendifferenz ist mit im Spiel) wirkt vertraut: Hausbrauch im Euro-Arthaus. Wie in früheren, prägnanteren Filmen des griechischen Regisseurs Jorgos Lanthimos sind hier zur Alltagsnatur verfestigte Gruppenrituale übereinandergeschichtet: Abschottungsfamilie mit privatsprachlicher Welterklärung ("Dogtooth"), Therapiegruppe aus Ersatzverwandten ("Alpis"), auswegloses Paarungszwangszeremoniell ("The Lobster", lustig, auch schon mit Colin Farrell) - und nun Zeitlupenbürgertum, von Anfang an steif, Konversationstext aufsagend; als Arztgattin Nicole Kidman. Der Eindringling verhängt einen Fluch: Sohn und Tochter werden sterben; zunächst sind sie gelähmt. Fluchtversuche in absurde Gewalt bringen noch mehr Erstarrung und Fügung ins Schicksal. Über dem Kriech-Horror thront eine Regiemeister-Sphinx, deren Idiosynkrasien, so heißt's, Stars und Publikum sich mit Wonne unterwerfen.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)

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