Empfohlen Filmkritik

I, Tonya

© Thimfilm


Als erste Amerikanerin schaffte Tonya innerhalb eines Wettbewerbs gleich zwei Dreifach-Axel – einen der anspruchsvollsten Sprünge im Eiskunstlauf. Doch berühmt ist ihr Name vor allem wegen des stümperhaft durchgeführten Attentats auf ihre Konkurrentin Nancy Kerrigan, mit dem sie ihre Erzrivalin aus den US-Meisterschaften kicken wollte. "Based on true events", die der Film augenzwinkernd rekonstruiert.

Regie:
Regie:
Craig Gillespie
Darsteller:
Darsteller:
Margot Robbie, Sebastian Stan, Allison Janney, Julianne Nicholson, Paul Ealter Hauser, Bobby Cannavale
Land:
Land:
USA
Jahr:
Jahr:
2017
Dauer:
Dauer:
119 min
Kinostart:
Kinostart:
23. März 2018
Sonstiges:
Sonstiges:
Von der FALTER-Kinoredaktion empfohlen

Klassenkampf on Ice: "I, Tonya"

David Auer | 21.03.2018

Based on true events", das hat einmal Authentizität suggerieren sollen im filmischen Reenactment von Unglaublichem, aber Wahrem. Heute findet das Insert, wenn überhaupt, nur noch ironisch gebrochen Anwendung. Am Anfang des Biopics "I, Tonya" nun steht weiß auf schwarz, der Film basiere auf ironiefreien, widersprüchlichen Interviews. Die inszeniert der Film im Aussage-gegen-Aussage-Prinzip nach und rekonstruiert damit augenzwinkernd die Geschichte der Eiskunstläuferin Tonya Harding (Margot Robbie, als All-American Girl leicht fehlbesetzt, dafür kess und klass) und des Vorfalls, der sie Mitte der 90er weltberühmt machen, ihre Karriere jedoch beenden sollte.

Welche von vornherein auf wackligen Beinen stand: Als "Redneck"-Abkömmling hat sie trotz großen Talents, Fleißes und Drill-Mama (rabiat und oscarprämiert: Allison Janney) im Rücken stets mehr mit ihren bessergestellten Konkurrentinnen zu kämpfen als jene untereinander, zumal zum Können auch der Habitus ins Urteil der Wettbewerbsrichter einfließt. Harding mag für sie keine Klasse gehabt haben, aber als Repräsentantin der unteren hatten ihre Ellbogen immer noch ein wenig spitzer zu sein. So sehr also von der ersten Sekunde zwar aufgetragen ist, das Gesagte und Gezeigte mit Vorsicht zu genießen, steht doch auch außer Zweifel, dass selbst in der liberalsten Klassengesellschaft immer noch mehr als bloß die feinen Unterschiede zählen.

An den gröberen labt sich Regisseur Craig Gillespie, bewegt sich dabei auf dünnem Eis zwischen Deklassierten-Romantisierung und tendenziell herablassender "White Trash"-Beschau. Diesen brutalen Begriff führen heute noch die scheinbar Feinsten ironiebefreit im rauen Mund, genauso wie Hardings letzte Worte im Film, nämlich dass Wahrheit Bullshit sei. Unglaublich, aber wahr.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis und Burg)

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