Filmkritik

Cops

Polizeifilm mit reichlich Action. Christoph, der ehrgeizige Neue bei der Spezialeinheit, hat in Notwehr einen Menschen erschossen. Seither leidet er unter Panikattacken, doch nicht zuletzt der Gruppendruck verbietet, Schwäche zu zeigen und nicht länger den starken Mann zu spielen. "Desillusionierung und Verdrängung fahren fett auf: Traumaflashmontage in Rot, Duschen in Zeitlupe, Achterbahn der Gefühle – auf der Achterbahn. Tötungstrauma reenacten, bis Heilung eintritt" (Dr. Robnik).

Regie:
Regie:
Stefan A. Lukacs (aka Istvan)
Darsteller:
Darsteller:
Laurence Rupp, Anton Noori, Maria Hofstätter, Roland Düringer, Michael Fuith
Land/Jahr:
Land/Jahr:
Ö 2018
Dauer:
Dauer:
92 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Kinostart:
Kinostart:
21. September 2018

Helfer brauchen Hilfe, die Exekutive will Liebe: Cops

Drehli Robnik | 19.09.2018

Manche Wiederholungen sind Zwangsroutine, andere versprechen Heilung. So auch im Fall von "Cops". Es geht um minderheitenfeindliche Polizeiübergriffe, die kein Einzelfall sind. Auch dieses Wiener Milieupsychodrama wiederholt etwas: Es ist ein Upgrade des aufwühlenden Kurzfilms "Void", den derselbe Regisseur, Stefan A. Lukacs, mit denselben Hauptdarstellern, Laurence Rupp und Anton Noori, 2013 über vertuschte Polizeifolter, den Fall des Schubhäftlings Bakary J., drehte. "Void" kam als Polizeischulungsfilm zum Einsatz.

"Cops" tritt als Genrefilm an, setzt wieder auf die Dynamik homoerotischer Gesten (im institutionellen Closet) zwischen WEGA-Novizen und charismatischem Vorgesetzten. Wiederholungslogik regiert: Vorbild und Nachahmung -sei loyal, hau rein. Das Habitusballett von Burschi und bärtigem Boss umgibt "Cops" mit einer Welt: Partnerinnen, Häuslichkeit, Arbeitsstress, Arztbesuche. Der Regisseur nennt sich jetzt kurz Istvan; auch den Übergriffsfall hat er (nicht nur) verkürzt, auf einen Moment mit Nachhall: Polizei tötet einen -nicht migrantischen -Psychotiker und nennt es Notwehr.

Nix mehr mit Rassismuskritik, es geht Richtung Psychologie. Die Analytik von Männerbund-Korpsgeist wäre im Burschistaat ein Thema; Ansätze dazu münden aber in Ersatzdaddy-Motive, mit Roland Düringer als Cop-Papa und väterlicher Fanbetreuer, der Hooligans (offenbar typische Polizeigewaltopfer) vor der WEGA in Schutz nimmt. Desillusionierung und Verdrängung fahren fett auf: Traumaflashmontage in Rot, Duschen in Zeitlupe, Achterbahn der Gefühle - auf der Achterbahn. Tötungstrauma reenacten, bis Heilung eintritt: Am Ende hält Burschi als Ersatzdaddy ein gerettetes Baby im Arm. Fotooption! Zur Nachahmung empfohlen. Heute Retter, morgen Reiter.

Ab Fr in den Kinos

Anzeige

Für diesen Film gibt es derzeit leider keine Termine

Anzeige


Anzeige

Anzeige