Empfohlen Filmkritik

The Death of Stalin

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Nach dem plötzlichen Tod von Langzeitdiktator Josef Stalin 1953 üben sich Sowjet-Kronprinzen auf Partei- und Trauerversammlungen in Loyalitätheucheln, Intrigen und Allianzen. Derweil arbeiten Exekutionskommandos Säuberungslisten mit in Ungnade Gefallenen ab. Mit Gusto lässt die Graphic-Novel-Adaption des Schotten Armando Ianucci die Gegensätze kollabieren: Allmacht und Panik, Automatik und Flause, Formalismus und Irrsinn. Vergleiche mit Heutigem sind aufgelegt – file under "Zynismus" –, aber begrenzt sinnvoll. (Dr. Robnik)

Regie:
Regie:
Armando Iannucci
Darsteller:
Darsteller:
Steve Buscemi, Simon Russell Beale, Jeffrey Tambor, Michael Palin, Paul Whitehouse, Jason Isaacs, Andrea Riseborough
Land:
Land:
USA/F/GB
Jahr:
Jahr:
2017
Dauer:
Dauer:
108 min
Kinostart:
Kinostart:
29. März 2018
Sonstiges:
Sonstiges:
Von der FALTER-Kinoredaktion empfohlen

Sowjetgockelterrorsatire mit Stalin &Buscemi

DREHLI ROBNIK | 28.03.2018

Nach dem plötzlichen Tod von Langzeitdiktator Stalin 1953 üben sich Sowjet-Kronprinzen auf Partei-und Trauerversammlungen in Loyalitätheucheln, Intrigen-und Allianzenschmieden. Derweil arbeiten Exekutionskommandos Säuberungslisten mit in Ungnade Gefallenen ab. Der Abspann zeigt Retuschen von Bonzenfotos, wie sie zur Folklore stalinistischer Herrschaft zählen.

Geheimdienstchef Beria, Außenminister Molotow, Malenkow, der formelle, Chruschtschow, der faktische Nachfolger: Die einst klingenden Namen werden jenen viel sagen, die auf Anhieb den Unterschied zwischen Politbüro und Zentralkomitee der KP definieren können. Verkörpert sind die Akteure von Mimen mit heute klingenden Namen: Jeffrey Tambor, Michael Palin und Steve Buscemi, dessen Ponem eine Ikone jener mieselsüchtigen Genervtheit ist, in der sich Terror gegen die Umgebung mit genuinem Leiden verbindet. Andrea Riseborough und Olga Kurylenko als goscherte Hofdamen machen die Zittrigkeit der Diadochen noch deutlicher.

Wie in den Farcen westlicher Gegenwartspolitik "In the Loop" und "Veep" inszeniert der Schotte Armando Ianucci in "The Death of Stalin" ein Dialogensemble, öffnet das Intimste des inner circle auf kurz geweitete Räume und das Streiflichthafte von Sketches auf Tempo und Soundgepräge eines Machtmechanismus hin. Mit Gusto lässt die Graphic-Novel-Adaption Gegensätze kollabieren: Allmacht und Panik, Automatik und Flause, Formalismus und Irrsinn. Vergleiche mit Heutigem sind aufgelegt - file under "Zynismus" -, aber begrenzt sinnvoll: Die Spezifik des Stalinismus liegt mit in der Selbstbezogenheit seiner Routinen; sein System warf wenig an Profit und Euphorie, an entfesselten Kreativ-und Hassenergien ab. Dem L'art-pour-l'art-Moment des Terrors schmiegt sich hier Satire mit Niveau an. Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)

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