Empfohlen Filmkritik

Cocote

In seinem Spielfilmdebüt erzählt der aus Santo Domingo stammende Drehbuchautor und Regisseur Nelson Carlo De Los Santos Arias von armer Land- und reicher Stadtbevölkerung, Geistergeschichten und Tieropfern. Nach dem Tod des Vaters macht sich der Gärtner Alberto aus der Hauptstadt Santo Domingo in seine dörfliche Heimat auf. Zu Hause erfährt er von seiner Mutter und seinen Schwestern, dass der Vater wegen nicht beglichenen Schulden ermordet wurde. Die Frauen bereiten neuntägige Trauerrituale vor und verlangen von Alberto, im Anschluss daran Rache zu üben. In einer eigenwilligen Mischung der Stile und Ästhetiken wechselt De Los Santos Arias zwischen Schwarz-Weiß-Bildern und Farbfilm, Tableaus und 360-Grad-Kameradrehungen, und lässt auch den Ton ein Eigenleben führen. (Sabina Zeithammer)

Regie:
Regie:
Nelson Carlo de los Santos Arias
Darsteller:
Darsteller:
Vicente Santos, Yuberbi De La Rosa, Judith Rodriguez, Pedro Sierra, Jose Miguel Fernandez
Land/Jahr:
Land/Jahr:
DOM/ARG/QAT 2017
Dauer:
Dauer:
106 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Kinostart:
Kinostart:
3. August 2018

Raue Filmkunst aus der Karibik: "Cocote"

Sabina Zeithammer | 01.08.2018

Nach dem Tod seines Vaters macht sich der Gärtner Alberto aus der Hauptstadt Santo Domingo in seine dörfliche Heimat auf. Zu Hause erfährt er von seiner Mutter und seinen Schwestern, dass der Vater aufgrund von nicht zurückbezahlten Schulden ermordet wurde. Die Frauen bereiten neuntägige Trauerrituale vor und verlangen von Alberto, im Anschluss daran Rache zu üben. Als evangelikaler Christ ist jener nicht nur von den zwischen Voodoo und Katholizismus angesiedelten Riten befremdet, sondern lehnt es auch ab, eine Bluttat zu begehen.

In seinem Spielfilmdebüt "Cocote" erzählt der aus Santo Domingo stammende Drehbuchautor und Regisseur Nelson Carlo De Los Santos Arias von armer Land-und reicher Stadtbevölkerung, Geistergeschichten und Tieropfern, wilden Klageweibern und saufenden Männern, korrupten Polizisten und kreischenden Furien, die Alberto so lange umschreien, bis er zurückbrüllt. Einen großen Teil der Filmzeit nehmen die wie dokumentarisch beobachteten Trauerriten ein. Die Form folgt dabei dem fremdartigen Inhalt: In einer höchst eigenwilligen Mischung der Stile und Ästhetiken wechselt De Los Santos Arias zwischen Schwarz-Weiß-Bildern und Farbfilm, Tableaus und 360-Grad-Kameradrehungen, und lässt auch den Ton ein Eigenleben führen.

Sein Bestreben, eine komplexe, von Gewalt geprägte Gesellschaft in einer rauen Filmstruktur widerzuspiegeln, scheint wichtiger als die Handlung selbst -Albertos Entscheidungsfindung zwischen zwei ausweglosen Alternativen bleibt letztlich ausgespart. Als Ahnung eines Sozialdramas und Rachethrillers mit Film-noir-Elementen ist "Cocote" stattdessen ein Meisterwerk des selten gewordenen Off. Mit kunstvollen Verschiebungen und Verstellungen arbeitet er ein diffuses, bedrohliches Unbehagen heraus.

Ab So im Metro Kinokulturhaus (Premiere am Sa bei Kino wie noch nie in Anwesenheit des Regisseurs)

Anzeige

Dieser Film läuft aktuell nicht in österreichischen Kinos.

Anzeige


Anzeige


Anzeige