Empfohlen Filmkritik

Nach dem Urteil

Jusqu'à la garde (Custody)

Nach der Trennung ihrer Eltern wollen der elfjährige Julien und seine erwachsene Schwester ihren Vater nicht mehr sehen. Beim Sorgerechtsstreit steht Aussage gegen Aussage: Hat Antoine nicht nur seine Exfrau Miriam, sondern auch seine Kinder misshandelt? So gekonnt "Nach dem Urteil" gespielt und inszeniert ist, hat er doch einen seltsamen Beigeschmack. Wohl blickt Legrand kritisch auf gescheiterte Kommunikation und familiäre Gewalt, die über Generationen weitergegeben werden. Vor allem aber instrumentalisiert er sein Thema um der Spannung willen – und um den Preis allgemeiner Ohnmacht und einer eigenartig passiven Mutterfigur. (Sabina Zeithammer)

Regie:
Regie:
Xavier Legrand
Darsteller:
Darsteller:
Léa Drucker, Denis Ménochet, Thomas Gioria, Mathilde Auneveux, Mathieu Saikaly, Saadia Bentaib
Land/Jahr:
Land/Jahr:
F 2017
Dauer:
Dauer:
93 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Kinostart:
Kinostart:
7. September 2018

Häusliche Gewalt als Zutat: "Nach dem Urteil"

Sabina Zeithammer | 05.09.2018

Nach der Trennung ihrer Eltern wollen der elfjährige Julien und seine erwachsene Schwester ihren Vater nicht mehr sehen. Beim Sorgerechtsstreit steht Aussage gegen Aussage: Hat Antoine nicht nur seine Exfrau Miriam, sondern auch seine Kinder misshandelt? Die Richterin entscheidet schließlich, dass Julien jedes zweite Wochenende bei seinem Vater verbringen soll.

Mit seinem Langfilmdebüt "Nach dem Urteil" knüpft Xavier Legrand an seinen Oscar-nominierten Kurzfilm "Avant que de tout perdre"(2013) an, der großteils mit denselben Schauspielern besetzt war, und verfolgte, wie Miriam (Léa Drucker) ihren gewalttätigen Mann (Denis Ménochet) mit den Kindern verließ. Legrand hat nun aber keine wirkliche Fortsetzung gedreht - stellt er doch diesmal ein Spiel mit dem Publikum in den Mittelpunkt, indem dieses nicht weiß, was in der Vergangenheit vorgefallen, was Lüge und was Wahrheit ist. Verknappt auf eine Auswahl intensiver Sequenzen, in denen die Figurenperspektive, aus der erzählt wird, wechselt, untergräbt Legrand die Identifikation mit den Charakteren; und arbeitet mit Elementen aus Thriller und Horror, die von langen Stressmomenten bis zu unheimlichen Blicken reichen, ein großes Unbehagen heraus.

So gekonnt "Nach dem Urteil" auch gespielt und inszeniert ist -in Venedig gab's 2017 den Silbernen Löwen -, hat er doch einen seltsamen Beigeschmack. Wohl blickt Legrand kritisch auf gescheiterte Kommunikation und familiäre Gewalt, die über Generationen weitergegeben werden. Vor allem aber instrumentalisiert er sein Thema um der Spannung willen - und um den Preis allgemeiner Ohnmacht und einer eigenartig passiven Mutterfigur. Ob er seinem Ziel, das öffentliche Bewusstsein für das Tabuthema häusliche Gewalt zu stärken, damit am besten dient, bleibt fragwürdig.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)

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