Filmkritik

Das Prinzip Montessori - Die Lust am Selber-Lernen

Le Maître est l'enfant

Regisseur und Jungvater Alexandre Mourot hat seine Kamera in Frankreichs ältester Montessori-Schule in Roubaix aufgestellt, um den Alltag der drei- bis sechsjährigen Schüler zu beobachten. "Reizende Kinder beim Lernerwerb sind nicht erst seit 'Etre et avoir' (2002) ein bewährtes Motiv im Dokumentarfilm. Doch Mourot vertraut seinen kindlichen Protagonisten nicht. Stattdessen will der Film überzeugen, und er tut dies in einer redundanten Off-Erzählung des Regisseurs, die gedoppelt wird durch die Zitate der italienischen Pädagogin. So verwehrt der Film der guten Intentionen dem Zuschauer die Erfahrung des Sehens; das Selbstentdecken, das er so überdeutlich propagiert." (Martin Nguyen)

Regie:
Regie:
Alexandre Mourot
Land/Jahr:
Land/Jahr:
F 2017
Dauer:
Dauer:
100 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Kinostart:
Kinostart:
7. September 2018

Lernen will gelernt sein: "Das Prinzip Montessori"

Martin Nguyen | 05.09.2018

Hilf mir, es selbst zu tun!" Ein Schlüsselsatz der italienischen Pädagogin Maria Montessori und ihrer 1907 begründeten gleichnamigen Lehrmethode. Offener Unterricht, freie Arbeit, zurückhaltende Pädagogen. Jungvater und Regisseur Alexandre Mourot erweist sich rasch als Montessori-Fan. In Frankreichs ältester Montessori-Schule in Roubaix stellt er seine Kamera behutsam in die Mitte einer Klasse drei-bis sechsjähriger Schüler, um ihren kindzentrierten Alltag und ihre "Arbeit" zu beobachten.

Aus dem umfangreichen Material hat Mourot "Das Prinzip Montessori - Die Lust am Selber-Lernen" montiert. Ein Film, der einen gespalten zurücklässt. Reizende Kinder beim Lernerwerb sind nicht erst seit "Être et avoir"(2002) ein bewährtes Motiv im Dokumentarfilm. Doch Mourot vertraut seinen kindlichen Protagonisten nicht.

Stattdessen will der Film überzeugen, will erklären, wie "ach so toll" die Montessori-Pädagogik ist. Er tut dies in einer redundanten Off-Erzählung des Regisseurs, die gedoppelt wird durch die Zitate der Pädagogin. Viel zu selten dürfen sich die feinfühligen Beobachtungen der Kinder entfalten, die sich im gegenseitigen Helfen so sehr von Erwachsenen unterscheiden: Sie schreiten erst ein, wenn es notwendig ist. So verwehrt der Film der guten Intentionen dem Zuschauer die Erfahrung des Sehens; das Selbstentdecken, das er so überdeutlich propagiert.

Unerwähnt lässt der Film zudem die Tatsache, dass Montessori-Pädagogik nicht für alle geeignet ist. Für manche Kinder ist Selbsttun ein Segen, für andere anstrengend und unbequem. So spannend Montessoris Ansatz auch sein mag, der Film erweist ihm einen Bärendienst, indem er die pädagogischen Prinzipien in den Mittelpunkt der Erzählung stellt und nicht den Kindern Wort und Bild überlässt.

Ab Fr im Filmhaus (OmU)

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Dieser Film läuft aktuell nicht in österreichischen Kinos.

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