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Border

Gräns

Foto: Luna Filmverleih


Tinas übermenschlicher Geruchssinn ermöglicht es ihr, Angst zu wittern und als Grenzbeamtin so illegale Aktivitäten vor allen anderen aufzudecken. Privat ist die unförmige Frau mit dem Charaktergesicht eine Einzelgängerin. Erst als sie eines Tages einen Fremden anhält, der ihr wie aus dem Gesicht geschnitten ist, beginnt Tina ihre wahre Natur zu erahnen. Zärtlich-heftige Horror-Romanze mit Fabelwesen, nach einer Kurzgeschichte von John Ajvide Lindqvist ("So finster die Nacht").

Regie:
Regie:
Ali Abbasi
Darsteller:
Darsteller:
Eva Melander, Eero Milonoff, Jorgen Thorsson, Ann Petrén, Sten Ljunggren
Land/Jahr:
Land/Jahr:
SWE/DK 2018
Dauer:
Dauer:
108 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Kinostart:
Kinostart:
12. April 2019

So finster die Nacht: "Border" von Ali Abbasi

Julia Pühringer | 10.04.2019

Tina (Eva Melander) arbeitet beim Zoll, sie kontrolliert die Passanten der Fähren zwischen Schweden und Dänemark. Sie hat einen guten Riecher: Menschen, die Angst haben, Scham, Schuld, Wut spüren, erkennt sie sofort. Oft konfisziert sie Alkohol, einmal auch eine Speicherkarte mit Kinderpornographie. Nur bei Vore (Eero Milonoff) weiß sie nicht, woran sie ist. Was verbirgt er? Und warum fühlt sie sich ihm so verbunden? Zumindest mehr als dem Kampfhund-Narren, mit dem sie ihr Haus im Wald teilt und der seine Hunde besser behandelt als sie? Liegt es an den Narben, die sie beide tragen?

Beim Filmfestival in Cannes, wo "Border" 2018 Premiere hatte, erzählte Regisseur Ali Abbasi von seinem Faible für die Außenseiter-Perspektive: "Ich bin im Iran geboren und aufgewachsen, dann im Alter von 20 Jahren nach Schweden gezogen, jetzt lebe ich in Kopenhagen. Ich habe schwedische und dänische Angewohnheiten und dann noch das ganze iranische Package." Auch genremäßig lässt er sich ungern einordnen. "Ganz ehrlich, ich bin kein großer Horror-Fan. Ich habe als Autor begonnen, war quasi auf der seriösen Seite zuhause. Als ich in Stockholm Architektur studierte, habe ich mir in der Cinemathek vier Filme am Tag angeschaut, ich habe alle Filme von Ingmar Bergman gesehen, auch die schlechten. Bergman hat in den 1940ern viele schlechte Sachen gedreht, das war gut für mein Selbstvertrauen."

Dass die literarische Vorlage für "Border" von John Ajvide Lindqvist stammt, dessen Roman "So finster die Nacht" gleich zweimal verfilmt wurde, öffnete Türen. "Wir haben den Film als 'So finster die Nacht, Teil 2' verkauft", sagt Abbasi grinsend, "das hat geholfen. John hat nach dem Film zig Angebote bekommen, aber er war es einfach müde. Er meinte, wenn du mir versprichst, daraus keinen englischen Hollywood-Scheiß zu machen, dann gehört die Story dir. Das habe ich ihm versprochen."

Abbasi hat Wort gehalten. "Border" ist ein Film über Grenzüberschreitungen, über Verantwortung, über die Einsamkeit, aber auch über die Entdeckung der Lust. Da stehen Elche auf der Straße und eine Prise "Eraserhead" gibt's auch. Ein Film dunkel und weich wie ein Bett aus Moos im schwedischen Wald.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Gartenbau)

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