Filmkritik

Womit haben wir das verdient?

Foto: Mona Film Produktion GmbH


Ein Hijab, wirklich?! Wandas Welt steht Kopf: Klammheimlich ist ihre Tochter Nina zum Islam konvertiert, betet pünktlich und will ab sofort Fatima genannt werden. (Produktionsmitteilung)

Regie:
Regie:
Eva Spreitzhofer
Darsteller:
Darsteller:
Caroline Peters, Chantal Zitzenbacher, Simon Schwarz, Marcel Mohab, Anna Laimanee
Land/Jahr:
Land/Jahr:
Ö 2018
Dauer:
Dauer:
92 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Kinostart:
Kinostart:
30. November 2018

Feminismus vs. Religion: Humor macht das schon

Sabina Zeithammer | 28.11.2018

Die Pubertät ist kein Zuckerschlecken: Da freuen sich die Eltern, dass die 16-jährige Tochter mit dem Schulschwänzen aufgehört hat, nur um zu erfahren, dass sie zum Islam übergetreten ist. Und das der Ärztin Wanda, einer Feministin und Atheistin, die mit Nina und ihrer Adoptivtochter Klara, ihrem Lebensgefährten Tony sowie Ex-Männern, Ex-Frauen und weiteren Kindern das Leben einer quirligen Patchworkfamilie führt. Alle Versuche, Nina die radikale Haltung auszureden, schlagen fehl. Unerwartete Schützenhilfe erhält Wanda von Hanife, der muslimischen Mutter von Ninas bester Freundin Maryam. Diese ist absolut dagegen, dass ihre Tochter plötzlich ebenfalls ein Kopftuch trägt.

Mit "Womit haben wir das verdient" nimmt Eva Spreitzhofer Anleihen an der temporeichen, leicht überdrehten französischen Komödie. In Umkehrung von "Monsieur Claude und seine Töchter" (2014) stehen sich in ihrem Spielfilmdebüt eine liberale Familie und intolerante Kinder gegenüber. Nach einer umfangreichen Recherche lässt Spreitzhofer Gegensätze und Widersprüche vergnüglich aufeinanderprallen: Während Wanda etwa unter dem Doppelschild "Islamismus/Rechtsradikalismus" auf Beratung wartet, gehen ein Hippievater und sein Neonazisohn vorbei.

Das Bildwitzfeuerwerk nutzt sich auf die Dauer ein wenig ab, und so mancher Gag, den man schon aus dem Trailer kennt, ist nur einmal wirklich witzig. Vieles aber regt zum Schmunzeln, einiges zum laut Auflachen an. Und nicht zuletzt zum Nachdenken: Durch ein komplexes Minenfeld führt Spreitzhofer, selbst Feministin und Atheistin, ihre munteren Figuren sanft zu neuen Einsichten und Allianzen.

Ab Fr in den Kinos. Screening und Diskussion mit Eva Spreitzhofer und Doron Rabinovici (Moderation: Barbara Tóth) am 4.12. um 19.30 im Village Cinema

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