Filmkritik

The Guilty

Den Skyldige

Foto: Nikolaj Møller


Polizist Asger wird in die Notrufzentrale versetzt. Der Grantscherben empfindet die Arbeit als nervtötend, bis eines Abends eine junge Frau anruft. Sie ist aufgebracht und gibt ihm zu verstehen, dass sie entführt wurde. Für den aufbrausenden Polizisten beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Minimalistischer Thriller.

Regie:
Regie:
Gustav Möller
Darsteller:
Darsteller:
Jakob Cedergren, Jessica Dinnage, Omar Shargawi, Johan Olsen
Land/Jahr:
Land/Jahr:
DK 2018
Dauer:
Dauer:
85 min
Kinostart:
Kinostart:
1. November 2018

Polizei, leih uns dein Ohr: Echtzeitkrimi "The Guilty"

Drehli Robnik | 31.10.2018

Ein Büro, zwei Schreibtische, 80 Minuten. Wir sehen fast nur ein Gesicht mit Headset sowie Handy-Ortungs-Displays, hören nur einige Stimmen und ferne Geräusche: Das dänische Minimal-Drama "The Guilty" lässt uns in Echtzeit und Blaugrau mit einem Beamten der Notrufzentrale einen Entführungsfall durchleben, der auf mehrere Orte ausgreift. Eine verwirrte Frau hält von einem Auto aus Kontakt mit dem Polizisten -in verklausulierten Worten, damit der Mann am Steuer es nicht merkt ...

Während alle Action ausbleibt, geriert sich Gustav Möllers Inszenierung als Kraftakt. Eine Art Durchhalte-Design und Pop-Variante von Selbstbeschränkungspurismus boomt derzeit zwischen Euro-Arthouse und Genrekino. "The Guilty" tritt in die Fußstapfen von "Ein Mann, ein Ort, viel Dauertelefonie"-Dramen wie "Buried -Lebend begraben" (2010) oder "No Turning Back" (2013). Ein Rennen gegen die Zeit (trotz Flatrate), eh spannend abgespult -und dann noch die Twists! Erstens ist nicht nur da draußen jemand guilty; auch der Uniformträger (Jakob Cedergren als Reinhold-Mitterlehner-Lookalike) ist am Ende reuig. So weit, so Scriptroutine. Zweitens ist in Sachen Kidnapping und Familiengewalt alles anders als -Spoiler-Blaulicht an.

Drittens wendet sich das geschlossene System dieses Films unweigerlich in die Welt, auch die hiesige, heutige. "The Guilty" wirkt wie der Abschied von einer Staatsmachtsverkörperung, deren Zeit um ist: letztes Plauscherl mit dem Kieberer vom Typ Therapeut, der Selbstkritik zulässt. Der Obrigkeitshabitus wandelt sich vom Berater, der bereut, zum Bereiter, der bedroht. Ungestraft sagst du nicht Oida zu ihm. Allerdings: Dass Wirklichkeit sich ganz im Polizeibüro abbilden lässt - das ist schon in diesem Softiethriller der feuchte Traum aller Sicherheitsm(ech)aniker.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)

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