Filmkritik

Angelo

Schleinzer erzählt die Geschichte des afrikanischen Buben Mmadi-Make, der um 1730 geraubt, versklavt und an die Fürstenhöfe Österreichs gebracht wurde. Als gebildeter "Hofmohr" Angelo Soliman erlangte er Berühmtheit, nach seinem Tod wurde er für das Kuriositätenkabinett präpariert. Biografisches Drama mit leicht überzogenem künstlerischen Anspruch.

Regie:
Regie:
Markus Schleinzer
Darsteller:
Darsteller:
Makita Samba, Alba Rohrwacher, Larisa Faber, Gerti Drassl, Lukas Miko, Christian Friedel
Land/Jahr:
Land/Jahr:
Ö/LUX 2018
Dauer:
Dauer:
111 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Kinostart:
Kinostart:
9. November 2018

Kunstvolle Verlegenheit: "Angelo"

SABINA ZEITHAMMER | 07.11.2018

Frankreich um 1730: Menschen werden aus einem Boot an Land gebracht. Ein Grüppchen afrikanischer Kindersklaven wird in einer Lagerhalle gewaschen und im Licht der Neonröhren aufgereiht. Kino müsse mehr leisten als "Universum History", sprach Regisseur Markus Schleinzer bei der Österreich-Premiere von "Angelo" im Rahmen der Viennale. Und so mischt er ins 18. Jahrhundert Modernes wie Elektrizität und Cembalo-Rockmusik. Das Publikum solle es sich nicht im Historienfilm bequem machen, sondern bei der Beschau der verschleppten Kinder durch europäische Adelige an die Warenhallen von Amazon denken.

So weit, so gut. Erzählt wird die Geschichte von Angelo Soliman, der als "Hofmohr", Kammerdiener und Prinzenerzieher an österreichischen Fürstenhöfen Bekanntheit erlangte, Gesellschafter von Joseph II. und Freimaurer war -und nach seinem Tod ausgestopft im Museum ausgestellt wurde.

In distanziert-opulenten Bildern, mit Tableaux vivants und experimentellen Elementen -so wird etwa radikal auf die Schuss-Gegenschuss-Montage verzichtet -widmet sich Schleinzer einer nur teilweise überlieferten Biografie, vor allem aber der kolonialistisch-rassistischen Vereinnahmung eines Individuums. Die Comtesse (Alba Rohrwacher) lobt den "Weg der Menschwerdung" ihres musizierenden Sklaven, der Kaiser (Lukas Miko) jammert Angelo die Ohren voll, dass ja auch er nur ein Diener sei.

Für den Protagonisten selbst bleibt kaum Raum. Angelo (Makita Samba) ist großteils stumm, mit Schnitten, zwischen denen Jahrzehnte vergehen, wird seine Biografie noch stärker fragmentiert. Ein Film, der vom Schicksal eines zur Projektionsfläche Degradierten erzählen will, schreibt diese Degradierung unfreiwillig fort. Stark die wenigen Szenen, in denen Angelos Gefühle im Mittelpunkt stehen; darüber hinaus macht sich der Eindruck von Verlegenheit, wie mit der Geschichte dieses Mannes umzugehen sei, breit. Er setzte sich bis auf die Viennale-Bühne fort: An Makita Samba wurde beim Filmgespräch kein einziges Wort gerichtet.

Ab Fr im Stadtkino im Künstlerhaus

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Dieser Film läuft aktuell nicht in österreichischen Kinos.

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