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Wildlife

Foto: Sony


Familienleben im Montana der 1960er, inklusive Krise und Scheitern einer Ehe. Nach dem Roman von Richard Ford. "Dano lässt geschickt offen, ob die Überhöhung ins Bizarre mehr in überkommenen gesellschaftlichen Fassaden oder dem noch fremden Blick eines Jugendlichen auf die Erwachsenenwelt wurzelt. Obwohl 'Wildlife' als unbequeme Befragung der Institutionen Ehe und Familie mehr auf der intellektuellen als auf der emotionalen Seite zu liegen kommt, entzieht er sich so einer klaren Deutung. Und bleibt umso länger in Erinnerung." (Sabina Zeithammer)

Regie:
Regie:
Paul Dano
Darsteller:
Darsteller:
Carey Mulligan, Jake Gyllenhaal, Ed Oxenbould, Bill Camp, Darryl Cox, Zoe Margaret Colletti
Land/Jahr:
Land/Jahr:
USA 2018
Dauer:
Dauer:
105 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Kinostart:
Kinostart:
11. April 2019

Rollenbilder, rau und bizarr: "Wildlife"

Sabina Zeithammer | 10.04.2019

Eine Kleinfamilie im Montana des Jahres 1960. Vater Jerry arbeitet in einem Golfklub, Mutter Jeanette ist Hausfrau, der 14-jährige Joe geht zur Schule. Als Jerry seinen Job verliert und plötzlich beschließt, sich als Helfer gegen einen Waldbrand zu verdingen, wird ein tiefer Riss in der Ehe offenbar. Die allein gelassene Jeanette sucht einen Weg, um mit der finanziell prekären Lage umzugehen, sei es durch Arbeit, sei es durch die Beziehung zu einem anderen Mann. Joe beobachtet seine Eltern mit so besorgten wie neugierigen Augen.

"Wildlife", eine Adaption des gleichnamigen Romans von Richard Ford (1990), ist Paul Danos Regiedebüt, das vielschichtig und rau um das Thema Rollenbilder kreist. In den ihnen zugedachten scheinen sich weder Vater noch Mutter gefunden zu haben: Im Erscheinungsbild des trinkfreudigen, frustrierten Jerry (Jake Gyllenhaal) schwingt noch ein Rest der vielleicht glücklicheren 1950er mit, die verantwortungsvolle Jeanette (Carey Mulligan) wirkt wie eingesperrt in ihrer Hausfrauenkluft.

Noch mehr als mit der Vergangenheit der Figuren spart "Wildlife" mit einer gesunden Kommunikation -für diese ist es zu spät. Stattdessen legt insbesondere Jeanette ein durchaus bizarres Verhalten an den Tag, das daraus resultiert, dass sie vor Joe kein Hehl aus ihrer Notlage macht. Nicht weniger grotesk wiederum fällt Jerrys Reaktion darauf aus.

Dano lässt geschickt offen, ob die Überhöhung ins Bizarre mehr in überkommenen gesellschaftlichen Fassaden oder dem noch fremden Blick eines Jugendlichen auf die Erwachsenenwelt wurzelt. Obwohl "Wildlife" als unbequeme Befragung der Institutionen Ehe und Familie mehr auf der intellektuellen als auf der emotionalen Seite zu liegen kommt, entzieht er sich so einer klaren Deutung. Und bleibt umso länger in Erinnerung.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)

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