Empfohlen Filmkritik

Leto - Sommer

Der Musiker, Poet und Schauspieler Viktor Tsoy war mit seiner Band Kino eine wichtige Figur der Leningrader Rockszene der 1980er-Jahre. Das Biopic, in dessen Zentrum eine sensible Dreiecksgeschichte steht, setzt dem jung Verstorbenen und dem Lebensgefühl einer Epoche ein Denkmal. "Über weite Strecken in schwarzweiß gedreht, rückt dieser wunderbar ruhige, trotz seines bitteren Beigeschmacks (lebens)lustige und von drei tollen Hauptdarstellern getragene Film nicht die großen Gesten, sondern die kleinen Details ins Zentrum" (G. Stöger).

Regie:
Regie:
Kirill Serebrennikov
Darsteller:
Darsteller:
Teo Yoo, Roman Bilyk, Irina Starshenbaum
Land/Jahr:
Land/Jahr:
RUS/F 2018
Dauer:
Dauer:
126 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Kinostart:
Kinostart:
14. Dezember 2018

"Leto"- ein Sommer der Liebe mit Punk im Herzen

Gerhard Stöger | 12.12.2018

Den makaberen Klub 27 hat Wiktor Zoi knapp verpasst. Anders als Rockgrößen wie Jimi Hendrix, Janis Joplin und Jim Morrison ist Zoi 1990 erst kurz nach seinem 28. Geburtstag gestorben. Es war kein klassischer Rockstartod, sondern ein schlichter Autounfall. Zoi war auch kein klassischer Popstar, er war zeit seines Berufslebens Heizer. Und doch galt er wie seine westlichen Kollegen als Idol der Jugend; seine Band Kino, politisch wie musikalisch unangepasst, zählte in den 1980ern zu den bedeutendsten Rockstimmen Russlands.

Von alledem erzählt Kirill Serebrennikovs Biopic "Leto"(deutsch: Sommer) nichts. Muss es auch nicht. Wer Kino kennt -auf der anderen Seite des einstigen Eisernen Vorhangs also praktisch jeder -, weiß um ihre Bedeutung und ihr tragisches Ende; wer hier erstmals über die Band stolpert, kann sich ja nach dem Kinobesuch weiterbilden. Lose an die tatsächliche Geschichte angelehnt, aber gänzlich frei von Faktenhuberei forscht "Leto" nach den künstlerischen Anfängen des sanften Rebellen Wiktor Zoi und erzählt nebenbei romantisch, liebevoll und mit großer Leichtigkeit von jugendlicher Unangepasstheit im Leningrad der beginnenden 1980er-Jahre, von der magischen Kraft der Rockmusik, vom Einfluss Lou Reeds, David Bowies, Blondies und T. Rex' und vor allem auch von einer Liebe zu dritt, die dennoch ohne Drama auskommt.

Über weite Strecken in Schwarz-Weiß gedreht, rückt dieser wunderbar ruhige, trotz seines bitteren Beigeschmacks (lebens)lustige und von drei tollen Hauptdarstellern getragene Film nicht die großen Gesten, sondern die kleinen Details ins Zentrum, unterbrochen von surrealen Sequenzen, in denen etwa ein Zugwaggon mit dem Song "Psycho Killer" der Talking Heads gegen Polizeiwillkür aufbegehrt oder ein überfüllter Stadtbus kollektiv Iggy Pops "The Passenger" anstimmt.

Ab Fr im Votiv (OmU)

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