Empfohlen Filmkritik

Roma

Foto: Netflix

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Erinnerungen an eine behütete Kindheit im Mexiko der frühen 1970er-Jahre, erzählt aus der Perspektive des indigenen Kindermädchens. Jüngst beim Filmfestival in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnetes Panorama in prächtigem Schwarzweiß.

Regie:
Regie:
Alfonso Cuarón
Darsteller:
Darsteller:
Yalitza Aparicio, Marina de Tavira, Marco Graf
Land/Jahr:
Land/Jahr:
MEX/USA 2018
Dauer:
Dauer:
135 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe

Schwarz-weiße Schönheit kurz im Kino: "Roma"

SABINA ZEITHAMMER | 12.12.2018

Man nennt sie die Perlen und guten Seelen des Heims: die Hausund Kindermädchen, zu denen die junge Cleo zählt. Bei einer siebenköpfigen Mittelstandsfamilie im Viertel Roma in Mexico City werkt sie im Jahr 1970 von früh bis spät.

Mit dem Schwarz-Weiß-Film "Roma" widmet sich Alfonso Cuarón seinen Kindheitserinnerungen. 90 Prozent der Szenen beruhten darauf, sagt der Drehbuchautor und Regisseur, verpackt hat er sie jedoch nicht in eine subjektive Erzählung, sondern in ein von Plansequenzen geprägtes Drama mit mäanderndem Fokus. So ist das Haus mit einem Hof voller Hundstrümmerln und Räumen voll Spielzeug ebenso Protagonist wie eine zerbrechende Ehe, das Schicksal Cleos, die schwanger wird, und die von Gewalt und sozialen Klüften geprägte mexikanische Gesellschaft.

Cuaróns mit dem Goldenen Löwen prämiertes Drama wird von der Kritik fast einhellig als der schönste Film des Jahres bezeichnet -zu Recht: Mit seinen ausgefeilten Panoramen und einer Tonspur, die sechsmal detailreicher ist als üblich, ist er ein optisches und atmosphärisches Meisterwerk, das nach den größten Kinoleinwänden und besten Soundsystemen ruft. Im Widerspruch dazu steht Cuaróns Zusammenarbeit mit Netflix, die einen stark eingeschränkten Kinostart bedingt.

Wünsche lässt "Roma" abgesehen davon einzig in der Figurenzeichnung offen, insbesondere bezüglich Cleo (Yalitza Aparicio): Als stille Stütze und bescheidene Heldin wird sie geehrt, und dort, wo das Drama ihr nahekommt, sind die stärksten, herzzerreißenden Momente. Der Hintergrund dieser Figur, die von Armut und Chancenlosigkeit geprägte Welt der indigenen Hausmädchen, bleibt bis auf wenige Andeutungen aber unbeleuchtet. Cleo ist bei Cuarón die in der Erinnerung verewigte geliebte gute Seele, doch auch ein Mensch ohne Woher und Wohin.

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