Filmkritik

Mary Shelley

Als der Poet Lord Byron sie zu einem literarischen Wettbewerb herausfordert, erfindet die junge Mary Shelley eines der berühmtesten Geschöpf der Weltliteratur: Frankensteins Monster. "Die saudiarabische Regisseurin Haifaa Al-Mansour drehte 2012 mit 'Wadjda' einen Super-Film über junge Frauen, die sich – kreativ, verwundbar, hartnäckig – in einer gockelstolzen Männerwelt freikämpfen. Al-Mansours Sinn für Alltagsräume und -habitus der Repression wie auch Handlungsmacht ist in 'Mary Shelley' überlagert vom Erklären: Deklarieren, Ausbuchstabieren." (Dr. Robnik)

Regie:
Regie:
Haifaa Al-Mansour
Darsteller:
Darsteller:
Elle Fanning, Douglas Booth, Tom Sturridge, Bel Powley, Stephen Dillane, Joanne Froggatt
Land/Jahr:
Land/Jahr:
GB/IRL/LUX 2017
Dauer:
Dauer:
120 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Kinostart:
Kinostart:
28. Dezember 2018

Schreiben als Freiheitserklärung: "Mary Shelley"

DREHLI ROBNIK | 19.12.2018

What sign was Frankenstein?", fragt das so betitelte Lied von Escape-ism. Von der Kreatur weiß man weder Namen -weshalb sich der ihres Schöpfers auf sie übertrug -noch Sternzeichen. In welchem Zeichen das diffamierte Hybridwesen steht, wofür es steht, dazu gibt es manche Deutung, etwa mit Blick aufs Industrieproletariat. Auch in diesem Kostümmelodram wird dazu gemutmaßt: In dem Geschöpf, heißt es, werden sich alle Verstoßenen wiedererkennen.

"Mary Shelley" zeigt die Autorinnenschaft der Literatin, die "Frankenstein" mit 19 schrieb, ihren Anspruch, als Schreibende wahrgenommen zu werden, als Streitgegenstand. Shelley (engagiert: Elle Fanning) behauptet sich - getreu ihrer verstorbenen radikalen Mutter -gegen Stiefmutter-Disziplin und den Rationalismus, auf den ihr Vater seine Ermutigungen an die Tochter aufbaut; noch mehr struggelt sie mit dem Narzissmus saufender, manisch dichtender, hauchend deklamierender Exzentriker um sie: Percy Bysshe Shelley und Lord Byron.

Die saudi-arabische Regisseurin Haifaa al-Mansour drehte 2012 mit "Wadjda" einen super Film über junge Frauen, die sich -kreativ, verwundbar, hartnäckig -in einer gockelstolzen Männerwelt freikämpfen. Al-Mansours Sinn für Alltagsräume und -habitus der Repression wie auch Handlungsmacht ist in "Mary Shelley" überlagert vom Erklären: Deklarieren, Ausbuchstabieren. Einiges wird Inspirationspathos, anderes bleibt Andeutung (verschütt in Klavier und Montagen: als wollte die Postproduktion "Eingängigkeit" schinden): etwa ein Fokus auf das Materielle von Papier, Buch, Stift; oder auf zuckende Hände, eine schreibend, eine (im Albtraum) mit Nähten. Literatur als Vermächtnis sowie Chancen einer Freiheit, die caring ist, nicht testosterongetrieben: Das sind heutige Themen, und bewegend ist der Film schon.

Ab 28.12. in den Kinos (OmU im Filmcasino)

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Dieser Film läuft aktuell nicht in österreichischen Kinos.

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