Empfohlen Filmkritik

Green Book - Eine besondere Freundschaft

Foto: Twentieth Century Fox


Ziemlich beste Freunde! Tony, ein simpel gestrickter Italo-Amerikaner aus der Bronx, wird zum Fahrer eines schwulen afroamerikanischen Pianisten, der 1962 durch die Südstaaten tourt. Die Gegensätze zwischen den beiden könnten nicht größer sein: ebenso die Klischees, die Peter Farrellys großherzig-harmloses Problem-Roadmovie unterwegs anhäuft. "Wäre der Film von 1962, könnte man sagen: Sidney Poitier & Tony Curtis, verspätet und hihi. So aber ist er für alle ein Rückschritt. Für den Regisseur, der von 'Dumb and Dumber' bis 'Hall Pass' luzide (Roadmovie-)Satiren zur Physis soziokultureller Spaltung in den USA gemacht hat. Für die Stars, die ihn auf einer Backe absitzen und zwecks Gemeinsamkeit-Melken viel zustimmend lachen und gerührt nicken. Und für uns, weil wir da mittun." (Dr. Robnik)

Regie:
Regie:
Peter Farrelly
Darsteller:
Darsteller:
Viggo Mortensen, Mahershala Ali, Linda Cardellini, Sebastian Maniscalco, Dimiter D. Marinov, P.J. Byrne
Land/Jahr:
Land/Jahr:
USA 2018
Dauer:
Dauer:
130 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Kinostart:
Kinostart:
1. Februar 2019

Besonders &besonderer: Roadmovie "Green Book"

Drehli Robnik | 30.01.2019

Im Roadmovie geht' s meist vorwärts. Manchmal ist der Weg das Ziel. Bei dieser Road-Dramödie wies ihr Ziel den Weg zum Produktionsschema: "Green Book" lief in den USA als Weihnachtsfilm; er endet mit Umarmung beim Christmasdinner. Reverse Engineering ergibt den Film passend zum Rührungsresultat. Für Oscarpreisträger Mahershala Ali als Jazz-Klassik-Virtuose Don Shirley gibt's eine Oscarnominierungsclippathosmonologszene, in der er sagt, dass ihn alle ablehnen -die Schwarzen, denen er zugeordnet wird, und die Weißen, die nur sein Spiel goutieren. Zur Einlösung der PR-Floskel "common ground" - siehe Regisseur Peter Farrellys Golden-Globe-Dankesrede - wird, based on a true story, erzählt, wie "Eine besondere Freundschaft" (Titelzusatz) entsteht.

Schon besonders: Zwei werden Buddys. Auf Rücksitz, Fahrersitz, Südstaatentour. Man lernt voneinander: Blasierter schwarzer Pianist soll bodenständiger sein; prolliger weißer Chauffeur (Viggo Mortensen) soll weniger bodenständig sein. Der Film spielt 1962. Leute rauchen und essen zu viel. Manche sind rassistisch, nämlich die Ungustln unter den Weißen. Der Chauffeur zuerst auch, aber im Sich-Necken mit gegenpoligen Vorlieben löst sich das auf, ebenso Homophobie, Klassenfragen, das Civil Rights Movement und die Logistik des Green Book, einer Liste von Hotels im Süden, die Schwarze beherbergen.

Wäre der Film von 1962, könnte man sagen: Sidney Poitier & Tony Curtis, verspätet und hihi. So aber ist er für alle ein Rückschritt. Für den Regisseur, der von "Dumb and Dumber" bis "Hall Pass" luzide (Roadmovie-)Satiren zur Physis soziokultureller Spaltung in den USA gemacht hat. Für die Stars, die ihn auf einer Backe absitzen und zwecks Gemeinsamkeit-Melken viel zustimmend lachen und gerührt nicken. Und für uns, weil wir da mittun.

Ab Fr im Kino (OF im Burg, OmU im Filmhaus)

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