Filmkritik

Generation Wealth

Foto: Lauren Greenfield, Stadtkino Filmverleih


Seitenblicke auf die Überprivilegierten und die Obsession kapitalistischer Gesellschaften mit Insignien unermesslichen Reichtums zu protzen. Mag sein, dass die Fotografin Greenfield einen kritischen Dokumentarfilm im Sinn hatte (wie 2012 bei "The Queen of Versailles"), doch das Ergebnis enttäuscht als öde Freakshow.

Regie:
Regie:
Lauren Greenfield
Land/Jahr:
Land/Jahr:
USA 2018
Dauer:
Dauer:
106 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe

Kommerz bis zum Kollaps? "Generation Wealth"

David Auer | 20.03.2019

Der Zusatz "Kultur" soll noch dem größten Quatsch das Prädikat "unbedingt schützenswert" verleihen; und alle paar Jahre eine neue Generation auszurufen den damit Gemeinten zu verstehen geben, dass sie dieses nicht verdient haben. Nun wird schon wieder eine heraufbeschworen, um sie just abzukanzeln: In "Generation Wealth" beabsichtigt die Fotografin und Dokumentaristin Lauren Greenfield, den Glanz der Welt der Schönen und Reichen -und jene, die es werden wollten - zu (O-Ton) "dekonstruieren" und den Blick aufs Elend dahinter freizugeben. Das tut sie anhand von seit Jahrzehnten angehäuften Fotos und aktuellen Interviews mit Geläuterten, die es bereuen, ihr Leben der teilweise auf Pump geleisteten Akkumulation von obszönen Mengen (auch sozialen) Kapitals gewidmet zu haben.

Das Erzählschema ist dem Prinzip der Krisenökonomie nachempfunden: Wo Aufstieg und Boom, da auch Fall und Bust. Diesmal aber, so wird insinuiert, hat es sich offenbar endgültig mit dem Kreislauf: Die ostentative Zurschaustellung von Dekadenz, an der der Film wissend teilhat, sei nämlich immer schon ein Anzeichen für den Niedergang einer jeden Zivilisation gewesen. Dass diesmal noch dazu der Planet auf dem Spiel steht, soll der luxusfeindlichen Allerweltsdiagnose einen existenziellen Drall geben, ist aber kontrafaktisch (die Erde wird sich ohne uns schon wieder erholen).

Via den alten Kronzeugen Geschichte wird's hier also ahistorisch, schließlich regressiv: Statt auf Junk Values solle man sich bitte endlich wieder mehr auf "echte" Werte zurückbesinnen, die da wären: Familie, Natur, authentische (heißt: nicht kommerzialisierte) Kultur. Dann werde die "Generation Wealth" wieder Schnee von gestern -was man, bevor es sie trifft, dieser Art von Lösungskultur wünscht.

Ab Fr im Stadtkino im Künstlerhaus (OmU)

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