Empfohlen Filmkritik

Inland

Foto: Ulli Gladik


Über mehrere Jahre hinweg hat Filmerin Ulli Gladik die Kellnerin Gitti, den arbeitslosen Alex und den Gemeindebediensteten Christian befragt und begleitet. "Inland" spielt in einem Biotop, um das heimische Filmschaffende in der Regel meistens lieber einen Bogen machen, nämlich unter FPÖ-Wählern aus Favoriten und Ottakring. Die politischen Karriereverläufe sind durchaus typisch: ehemalige Genossen, im "roten" Wien sozialisiert, der Partei nach der Ära Kreisky zunehmend entfremdet, mit dem Ausländer-Diskurs endgültig zu Haider/Strache/Hofer übergelaufen. (Michael Omasta)

Regie:
Regie:
Ulli Gladik
Land/Jahr:
Land/Jahr:
Ö 2019
Dauer:
Dauer:
95 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Kinostart:
Kinostart:
3. Mai 2019

Nicht einer weniger: Rechtsrede in "Inland"

DREHLI ROBNIK | 08.05.2019

Inland ist innen; es definiert sich gegen das Ausland. Der so benannte Film von Ulli Gladik zeigt zwei Wiener Wähler und eine Wählerin jener Rechtsparteien, die ganz auf diese Abgrenzung setzen. Vor und nach der Parlamentswahl 2017 begleitet "Inland" einen Mann im Odachlosenheim, einen Beamten und eine Kellnerinn durch ihr Inland, das hier nicht Wohnung oder Alltag heißt (dorthin führen jene Dokus, die "Gelebtes" vermitteln): Es ist die "Seele" als ein enges Land -Ideologie als Psychologie der Politik. Deren Erkundung leistet "Inland" im Medium der Binnendynamik von Gesprächen. Auf ins Abenteuerland politischer Selbstauskunft! Samt Holpern im Terrain, Widersprüchen in der Wegführung.

Mehr als über das einstige Ghetto der "Ziegelböhm"-Arbeiter erfahre ich darüber, dass der von dort stammende FPÖ-Wähler - wiewohl er zum türkischen Frisör geht -"weniger Ausländer" will. Vom ersten Jahr Türkis-Blau ist er enttäuscht: "Nicht einer weniger!" Mehr als über den Alltag der Kellnerin erfahre ich, wie sie über diesen redet. Sie sagt, sie könne nur davon sprechen -nicht von Kurz' Spendern und Strategien. Auf Selbstbescheidung beharrt die Frau, auf Auskenner machen die Männer: "Mann" will wer sein, etwa türkische Job-Kollegen herumbosseln. In Homemovies und Gesprächsmomenten blitzt ein im Tiefland verschüttetes Sozi-Klassenbewusstsein auf. Seltsam sind der Seele Setzungen. Auch Masochismus blitzt auf: Dass ich's durch die Politik derer, die ich wähle, schlecht hab, ist okay, wenn's dafür den Ausländern noch mieser geht. Wie der Kanzler kündet: Damit der, der arbeitet, nicht der Dumme ist. Solche Propaganda ist der implizite Gesprächspartner, wenn Gladik jenen, denen sie gilt, punktuell antwortet, einwendet, nachfragt: "Und des haaßt?", "Woher dieser Hass?""Weißt, was mich aufregt?" Sehr stark.

Bereits im Kino

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