Klenk+Reiter, Folge 2: Das tödliche Apfelmus

Wie scheinbar harmlose Lebensmittel zu Gift werden können und wo gerichtsmedizinische Ermittlungen ansetzen, wenn die Todesursache völlig im Dunklen liegt

Florian Klenk, Christian Reiter
14.10.2022

Harmloser Apfel oder "Pentagramm des Todes"? (Foto: Christopher Mavrič)

Im Frühjahr 1993 isst eine Bauernfamilie aus dem Weinviertel zu Mittag Kaiserschmarren und Apfelmus. Wenige Tage später ist eines der Kinder tot. Was ist geschehen? 

In der zweiten Folge von "Klenk+Reiter. Der FALTER-Podcast aus der Gerichtsmedizin" sprechen FALTER-Chefredakteur Florian Klenk und der Gerichtsmediziner Dr. Christian Reiter darüber, wie vermeintlich Harmloses zum Tod führen kann und wie sicher unsere Lebensmittel wirklich sind.   

Hier hören Sie die ganze Folge:

Während in Österreich das Einkochen von Marmeladen, Kompott, Sirup und anderen hausgemachten Köstlichkeiten in vielen Haushalten Usus ist, wurde es dieser siebenköpfigen Bauernfamilie – bestehend aus fünf Kindern und dem Elternpaar –  rund um Ostern 1993 zum Verhängnis. 

Schon beim Mittagessen hatten die Kinder beklagt, dass das Apfelmus bitter und nach Wein schmecke. Weil sich eines der Kinder vor ihrer Portion drücken wollte, ging sie mit ihrer jüngeren Schwester einen Deal ein: Für jeden Löffel Apfelmus, den ihr die Jüngere abnahm, sollte diese ein Schokoladen-Ei aus dem Osterkörbchen der Älteren erhalten. 

Am darauffolgenden Abend mussten die Kinder erbrechen, außer jenem Mädchen, das aufgrund des Deals mit ihrer Schwester kein Apfelmus gegessen hatte. Und während es den anderen Kindern im Laufe der Tage rasch wieder besser ging, verschlechterte sich der Zustand des Mädchens, das die doppelte Portion gegessen hatte, drastisch. Sie wurde ohnmächtig und musste ins Spital gebracht werden, wo sie kurze Zeit später an Organversagen verstarb. 

Nun begann das große Rätseln: Woran war das zuvor kerngesunde Mädchen so plötzlich gestorben? Und könnte wirklich das Apfelmus eine Rolle gespielt haben? 

"Meine Ermittlerthese muss in solchen Fällen immer alles sein. Das ist das Mühsamste, was es gibt", sagt Reiter, der den Leichnam des Mädchens damals obduzierte. "Von einer Arsenvergiftung bis zu einer Viruserkrankung, es kann wirklich alles die Ursache für ein solches plötzliches Organversagen sein."

Wie der Tod des Mädchens schließlich aufgeklärt werden konnte, was der römische Dichter Lukrez mit dem Fall zu tun hat, warum die Mutter der Kinder vor Gericht stand und warum viele von uns oft unwissentlich "russisches Roulette" spielen, hören Sie im Podcast "Klenk+Reiter". 

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