Klenk+Reiter, Folge 4: Die lebenden Toten

In dieser Folge wird es skurril: Gerichtsmediziner Dr. Christian Reiter berichtet vom Schreck seines Lebens, als sich ein vermeintlich Toter im Leichenkühlhaus vor seinen Augen aufsetzte. Und er nimmt uns mit ins 18. Jahrhundert, als eine Vampirplage scheinbar das Habsburgerreich heimsuchte.

Florian Klenk, Christian Reiter
28.10.2022

Briefe an den Wiener Hof berichteten von schmatzenden Geräuschen aus Gräbern und anderen mysteriösen Vorgängen (Foto: Christopher Mavrič)

Wie oft kommt es vor, dass Menschen lebendig am Seziertisch landen? Und wie viele Tote sind eigentlich noch am Leben, wenn sie begraben werden? 

In dieser Folge von "Klenk+Reiter. Der FALTER-Podcast aus der Gerichtsmedizin" erzählt Dr. Christian Reiter von seiner ersten Leiche und von einem der größten Schockmomente seiner Karriere. Denn als er eines Tages das Leichenkühlhaus öffnete, setzte sich dort einer auf und fragte: "Seid’s deppert?" 

Hier können Sie Folge 4 des Podcasts anhören:

"Ich halte das für die Spitze des Eisberges", sagt Christian Reiter heute über den schaurigen Vorfall. Denn die Feststellung des Todes ist keine so einfache Sache. Einerseits würde diese Tätigkeit oftmals nicht ausreichend qualifiziertem Personal überlassen. Andererseits fehlten sogar in Fachkreisen lange eindeutige Kriterien, um den Tod mit aller Sicherheit festzustellen. 

So auch, als das Habsburgerreich im 18. Jahrhundert von “Vampiren” heimgesucht wurde. Laut Dokumenten, die bis heute im Hofkammerarchiv zu finden sind, klagten die Menschen in der Grenzregion zwischen dem heutigen Serbien und dem Osmanischen Reich über schmatzende Geräusche, die aus Gräbern kamen. 

Leichen, die daraufhin ausgegraben wurden, sahen völlig anders aus als zum Zeitpunkt ihrer Beerdigungen. Dünne waren plötzlich aufgedunsen und fett, sie trugen dunkle Flecken am Hals (Bissmale?) und Männer zeigten “die wilden Zeichen der Erektion", wie aufgeregte Berichte an den Wiener Hof beschrieben. Die Menschen waren "vampyrisiert", sie waren also zu Vampiren geworden, so der verbreitete Glauben. 

 Vampire wirkten der Volksmeinung nach aus ihren Gräbern heraus, suchten die Lebenden im Schlaf heim, tranken ihr Blut und infizierten sie mit der "Vampyrkrankheit". Die Symptome waren Fieberschauer, Störung des Sehvermögens, Sprachstörungen, Angstgefühle, Zittern, Todesangst und Albträume, in denen bereits Verstorbene erschienen. Die Krankheit verbreitete sich schnell und führte innerhalb weniger Tage zum Tod. 

Zwar wusste die Bevölkerung genau, wie man mit den Untoten umzugehen hatte: "Ausgraben der Toten, Abschlagen der Köpfe, Pfahl durchs Herz und am Scheiterhaufen verbrennen", erklärt Christian Reiter, der in diesen Vorfällen den Ursprung des Vampirglaubens sieht, der sich unwiderruflich in die Literatur- und Kulturgeschichte einschrieb.  Doch der Klerus – und mit ihm der Hof – in Wien war von der Praxis der Enterdigungen ganz und gar nicht begeistert. 

Welche wissenschaftliche Erklärung hat Dr. Reiter für diesen "Vampyrismus" gefunden? Und wie reagierten die Habsburger auf die Vampirplage? Das alles und noch mehr hören Sie in Folge 4 von "Klenk+Reiter".

Um keine Folge mehr zu verpassen, empfehlen wir, "Klenk+Reiter" auf Apple Podcasts, Spotify oder der Plattform Ihrer Wahl zu abonnieren. Viel Spaß beim Hören!

Weitere Ausgaben:

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!