Klenk+Reiter, Folge 7: Die "Todesengel" von Lainz

Schlummert ein Mörder in jedem von uns?

Florian Klenk, Christian Reiter
18.11.2022

Die mediale Berichtserstattung zum Fall Lainz überschlug sich; wesentliche Fragen blieben dennoch offen. (© Christopher Mavrič)

Gibt es die "Bestie Mensch" oder sind es die äußeren Umstände, die den Menschen zum Unmenschen machen? 

In Folge 7 von "Klenk +Reiter" geht es um einen Pflegeskandal, der die Republik erschüttert hat und warum man nicht ausschließen kann, dass sich solche Mordserien wiederholen. 

Hier gehts gleich zur ganzen Folge:

Vier Stationshilfen ermordeten in den 1980er-Jahren 49 Menschen auf einer Station des Wiener Krankenhauses Lainz, auf der alte und sterbenskranke Menschen untergebracht waren. 

Die vier Frauen, die später auf der Anklagebank landen sollten, ermordeten ihre Opfer einerseits durch die Überdosierung von Medikamenten. Andererseits kam eine besonders grausame Tötungsmethode zum Einsatz, die zynisch als "Mundpflege" bezeichnet wurde: 

Den Opfern wurde Wasser aus einem Joghurtbecher eingeflößt, dabei die Zunge mit einem Holzstäbchen fixiert, was ihnen das Schlucken unmöglich machte. So gelangte das Wasser in die Lungen der Opfer, was schließlich zu einem schmerzvollen Ertrinkungstod führte. 

Lange Zeit blieb diese Methode unentdeckt, denn für Patholog:innen im Krankenhaus sind die typischen Anzeichen eines Ertrinkungstodes kaum zu erkennen. "Denn, wer ertrinkt schon im Spital?", so der Gerichtsmediziner Dr. Christian Reiter, der viele der Opfer später enterdigt und im Auftrag des Gerichts ihre wahren Todesursachen festgestellt hat.

Alle vier Frauen wurden mit unterschiedlichem Strafmaß verurteilt, mittlerweile haben sie alle ihre Haftstrafen verbüßt und leben unter anderen Namen in Freiheit. 

Doch zwei wesentliche Fragen bleiben bis heute unbeantwortet: Wie konnten die Stationshilfen so lange unbemerkt morden? Und warum kam es zu einer solchen Verrohung dieser Frauen, die doch die Pflege hilfloser Patient:innen mitverantworten sollten?  

Die fatale Kombination aus mangelnder institutioneller Kontrolle und schlechter Personalpolitik, die Angestellte in “No Future”-Jobs ohne Erfolgserlebnisse und Hoffnung versauern lässt; diese fatale Kombination, die als gesellschaftspolitische Kulisse den Fall Lainz umgab, wurde weder vor Gericht noch gesellschaftlich verhandelt. 

"Ich glaube, dass solche Tötungsserien auch in Zukunft nicht verhindert werden können", lautet deshalb das beunruhigende Fazit von Christian Reiter. 

Mehr zum Fall Lainz und seinen Konsequenzen hören Sie in der aktuellen Folge. Um keine Episoden mehr zu verpassen, können Sie "Klenk+Reiter" auf Apple Podcasts, Spotify oder der Plattform Ihrer Wahl abonnieren.

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