Klenk+Reiter, Folge 8: Die gestohlene Mary Vetsera

Wie Dr. Christian Reiter einen k. u. k.-Krimi untersuchte

Florian Klenk, Christian Reiter
25.11.2022

Schädelknochen und Schuhe der Baroness Mary Vetsera (Foto: Christopher Mavrič)

In dieser Folge reisen wir rund 130 Jahre in die Vergangenheit: Es geht um einen jungen, feinsinnigen Mann, der von seinem Vater gedrillt und misshandelt wird, unter den psychischen Folgen dieser Behandlung leidet und dem Alkohol verfällt. Er treibt sich in Wien mit unzähligen jungen Frauen herum, die wiederum ihm reihenweise verfallen. Mit nur 30 Jahren wird er leblos aufgefunden und mit ihm eine erst 17-jährige Frau und ein Revolver. 

Die Toten: Kronprinz Rudolf von Österreich und Ungarn und seine Geliebte, Baroness Mary Vetsera. Was war geschehen? 

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Dieser historische Fall, der die Monarchie erschütterte und dem herrschenden Adelsgeschlecht ein nur allzu menschliches Antlitz verleihen sollte, harrte längste Zeit seiner Aufklärung. 

Nicht zuletzt, weil der Wiener Hof nach dem Auffinden des toten Kronprinzen im Jagdschloss Mayerling, rund 40 Kilometer südwestlich von Wien, eine veritable Vertuschungsaktion starten sollte. 

Zum einen war der Kronprinz nämlich mit Stefanie von Belgien verheiratet. Zum anderen war die Art seines Ablebens - Suizid - ein heikles Thema für den Hof, weshalb es nicht verwundert, dass schon bald Gerüchte kursieren, der Kronprinz sei vergiftet worden. 

"Selbstmorde wurden damals geächtet und ein kirchliches Begräbnis deshalb nicht möglich", erklärt der Gerichtsmediziner Dr. Christian Reiter die weitreichenden Konsequenzen für die Monarchie, "der Kronprinz hätte also nicht in der Kapuzinergruft begraben werden können." 

Aber auch andere Mutmaßungen rund um das Enfant terrible der Habsburger, Rudolf, und Mary, die nach heutigen Maßstäben als It-Girl bezeichnet werden könnte, machten die Runde. 

Könnte es eine Verschwörung gegen den Kronprinzen gegeben haben? Ließ man einen hinterhältigen Mord wie den verzweifelten Freitod zweier Liebender aussehen? War es ein Abtreibungsversuch?  

Und tatsächlich blieben auch abseits wilder Verschwörungstheorien viele Details ungeklärt: Handelte es ich um einen gemeinschaftlichen Suizid oder um einen Mord und anschließenden Suizid? Wer drückte den Abzug, in welcher Reihenfolge schieden die beiden aus dem Leben?

Eine Chance, diese Fragen zu beantworten, erhielt Dr. Christian Reiter, als sich ein zweites Verbrechen ereilte. 1992 wurde der Sarg von Mary Vetsera aus seiner Gruft in Heiligenkreuz gestohlen, von einem Linzer Möbelhändler namens Helmut Flatzelsteiner. 

Auch ihn trieben Fragen nach dem mysteriösen Tod von Mary Vetsera um - weshalb er beschloss, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Was die gerichtsmedizinischen Untersuchungen ergaben und was mit dem Linzer Grabräuber und den Gebeinen der Mary Vetsera passierte, erfahren Sie in der neuen Folge von "Klenk und Reiter. Der FALTER-Podcast aus der Gerichtsmedizin".

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