Chemie

Kompostiert Abfälle, denn uns geht der Phosphor aus!

Das Netzwerk CORE Organic II will Phosphorkreisläufe durch alternative Phosphorquellen schließen

SABINE EDITH BRAUN
vom 06.11.2013

Es gibt derzeit einen Raubbau an Phosphor: Weniger als 50 Prozent des eingesetzten Phosphors werden rezykliert. Der Rest geht über Kläranlagen und Flüsse ins Meer oder wird mit Produkten wie Nahrungs-und Futtermitteln exportiert", erklärt Jürgen K. Friedel den Hintergrund des Projekts IMPROVE-P. Es begann im Sommer und wird drei Jahre laufen.

Phosphor, ein essenzieller Pflanzennährstoff, der auch im Körper von Tieren und Menschen wichtige Funktionen hat, ist deshalb so kostbar, weil er nicht ersetzbar und außerdem begrenzt ist. Während etwa Stickstoff auch aus der Luft gewonnen werden kann, gibt es Phosphor nur in fossilen Lagerstätten. Diese werden spätestens in 150 Jahren erschöpft sein. "Alle reden vom Peak-Oil, aber der Peak-Phosphor ist gesellschaftlich bedeutender", sagt Friedel. Öl könne ersetzt werden, Phosphor nicht.

An dem CORE-Organic-II-Projekt, an dem sechs europäische Länder teilnehmen und das aus nationalen Budgets finanziert wird, ist Österreich durch das Institut für Ökologischen Landbau und das Institut für Bodenwissenschaften der BOKU Wien beteiligt sowie durch das außeruniversitäre Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL).

Ziel ist, alternative Phosphorquellen zu identifizieren, zu charakterisieren und durch pflanzenbauliche Verfahren auf ihre Anwendbarkeit zu testen -hier fällt das Stichwort alternative Phosphordünger. Friedel: "Reste aus der Lebensmittelindustrie, Energiepflanzenproduktion und kommunale Abfälle wie zum Beispiel Klärschlamm stellen potenziellen Phosphordünger dar. Es gibt jedoch ein Risiko durch Schwermetalle oder persistente organische Schadstoffe wie chlorierte Kohlenwasserstoffe, PAKs oder PCBs. Sie haben sehr lange Verweilzeiten im Boden und in der Nahrungskette." Da solche alternativen Phosphorquellen auch ein humanpathogenes Risiko in sich bergen können, ist eine genaue Risikoabschätzung unabdingbar.

Darüber hinaus wird die praktische Anwendbarkeit alternativer Dünger im ökologischen Landbau getestet. "Wir werden im Projekt auch die Akzeptanz bei den Biobauern untersuchen."

Und wie kann der Einzelne als Konsument zum Phosphorrecycling beitragen? "Direkt kann er seine organischen Abfälle getrennt sammeln und dann kompostieren oder in der Grünen Tonne entsorgen, damit der Phosphor nicht mit dem Restmüll verbrannt wird." Ein indirekter Beitrag liegt im Kauf von Lebensmitteln aus Landbauformen, die phosphoreffizient sind, die also weniger Phosphordünger einsetzen als die konventionelle Landwirtschaft.

Ausgewiesen ist eine phosphorschonende Herstellung von Lebensmitteln aber noch nicht. "Ein paar Supermarktketten haben zwar angefangen, den CO2- und den Wasserverbrauch auf den Verpackungen anzuzeigen, nicht aber Phosphor."

www.coreorganic2.org

https://improve-p.uni-hohenheim.de

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