Utopisch leben

Christian Zillner
vom 31.10.2018

Österreich sei eine Insel der Seligen, habe Papst Paul VI. einmal gesagt, wofür er heuer im Oktober heiliggesprochen wurde. Nein, nicht dafür, aber aus unserer Sicht - lassen wir das. Insel also. In der Vorstellung von Plato (Atlantis) und Thomas Morus (Utopia) sind Inseln der Ort, an dem eine Utopie realisiert werden kann. Das lassen wir nun etwas einwirken -und fertig ist die österreichische Utopie.

Eine passende Dystopie haben wir auch. Sie wurde von Karl Kraus formuliert: Österreich sei eine "Experimentierstation für den Weltuntergang", meinte er. Also eine Insel, die Tsunamis auf sich zieht.

Wie kommt ein Papst darauf, dass wir Selige sind, und wie ein Literaturpapst auf unsere Untergangssehnsucht? Nun, Selige sind per se nicht von dieser Welt, im Gegenteil, sie werden selig gesprochen, weil sie sich hienieden so ganz und gar unirdisch gezeigt haben. Man muss zuerst untergehen, um dann selig zu werden.

Oder eine Welt zerstören. Uh, das klingt roh. Doch jeder, der versucht, sie zu zerstören, erkennt rasch, dass es die Welt gar nicht gibt. Sie ist bloß eine Illusion, mit der wir uns und anderen Menschen das Leben schwer machen. Um selig zu werden, sollte man sich um den Untergang der eigenen Welt bemühen. Dann kann man frei leben. Utopisch halt.

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